7-Sonstige Gruppen 1

Neben den bereits dargestellten Gruppen gibt es in Vinland eine Reihe von besonderen Aufgaben und Berufen, die für die Gesellschaft unverzichtbar oder zumindest sehr sinnvoll und nützlich und vorrangig als Dienst an der Allgemeinheit anzusehen sind, auch wenn sie den betreffenden Personen regelmäßig und zusätzlich Lebensunterhalt sichern.

Huscarl
Im Gegensatz zum freien vinländischen Gefolgschaftskrieger, der sich einem Adligen jederzeit und freiwillig anschließen und diesen ebenso wieder verlassen kann, bindet sich der Hus-carl durch einen feierlichen Eid fest und auf Dauer an seinen Gefolgschaftsführer.

Der Name bedeutet „Hauskrieger“. Gemeint ist hier der „Haushalt“ eines Adligen, was ja eigentlich das Gefolge, also lediglich die zum Haushalt gehörenden Menschen bezeichnet und somit die tatsächliche Gemeinschaft aus Familienmitgliedern, Bediensteten, Unfreien und anderen, die auf Dauer das betreffende Haus oder Anwesen zusammen bewohnen und eine auch äußerlich erkennbare Lebens- und Arbeitsgemeinschaft bilden.

Der Huscarl verpflichtet sich durch seinen Eid, seinem Gefolgschaftsführer in absoluter Treue als Krieger zu dienen, seinen Befehlen zu folgen und ihn notfalls unter Einsatz des eigenen Lebens zu schützen. Er stellt also grundsätzlich so etwas wie einen Leibwächter beziehungsweise Angehörigen einer Leibgarde dar. Er ist ein Berufskrieger, der außerhalb von Kriegszeiten wie sonst auch lediglich zu Wach-, Garnisons-, Polizei- und Geleitschutzdiensten herangezogen wird oder ähnlichen, auch anderswo vorkommenden Aufgaben, aber zu keinen sonstigen Arbeiten. Seine Freizeit kann er grundsätzlich nach seinem Vergnügen gestalten, wobei allerdings erwartet wird, daß er einen Großteil hiervon der körperlichen und kämpferischen Schulung widmet und zumindest bei hinreichender Gefahr sich für Notfälle bereit hält, also auf übermäßiges Trinken und andere Genüsse verzichtet, die seine sofortige Einsatzbereitschaft nachhaltig beeinträchtigen könnten.

Der Huscarl stellt somit einen Elitekrieger dar, hervorragend ausgebildet, hoch diszipliniert und zumeist auch kampferfahren. Natürlich verfügt er auch durchweg über ausgezeichnete Waffen und Rüststücke, die sein persönliches Eigentum darstellen. Sofern er sie also nicht selbst in den Dienst mitbringt oder zum Beispiel später persönlich erbeutet, werden sie ihm von seinem Gefolgschaftsführer als Geschenk übergeben. Dies geschieht häufig schon bei der Verpflichtung eines Huscarls nach der Eidesleistung, da ein Adliger ja aus guten Gründen an einer vollständigen und erstklassigen Ausrüstung seiner Leibwache interessiert ist, aber auch später bei besonderen Anlässen, etwa der Beuteverteilung nach erfolgreichen Kämpfen oder als besondere Belohnung für lange und treue Dienste. Gerade bei letzterem Anlaß wechseln oft besonders prächtige und wertvolle Stücke den Eigentümer.

Dies gilt im übrigen nicht nur für die eigentliche Ausrüstung als Krieger, sondern auch für Bekleidung, Schmuck und Einrichtungsgegenständen für das Wohnquartier. Die Gegenleistung für den Dienst des Huscarls besteht abgesehen von den genannten Geschenken grundsätzlich in freier Unterkunft und Verpflegung, welche in der Regel recht ordentlich auszufallen pflegen. Ein Sold, also eine Bezahlung im eigentlichen Sinne ist nicht üblich. sondern beschränkt sich auf ein Handgeld bei Dienstbeginn sowie regelmäßige kleinere Beträge, die eher eine Art Taschengeld darstellen. Grundsätzlich kann ein Huscarl eine Familie gründen, also heiraten und Kinder zeugen. Da er aber in der Regel über keine ständigen Einkünfte nennenswerter Art verfügt und wegen seiner Dienstverpflichtung auch grundsätzlich keinem anderen dauernden Erwerb nachgehen kann, muß der Familienunterhalt auf andere Weise gesichert werden. Üblicherweise werden die Frauen vom Gefolgschaftsführer als Mägde, Zofen oder anderes in bezahlten Dienst genommen. Dies gilt auch für die heranwachsenden Kinder, wobei es für Söhne zumeist Brauch ist, daß sie von Kindheit an sich im Waffenhandwerk üben und später ebenfalls Huscarls werden, normalerweise beim gleichen Adligen wie der Vater.

Mächtige Adlige besitzen häufig mehr Huscarls, als sie für die üblichen Aufgaben in Friedenszeiten eigentlich benötigen. Diese werden dann in Schichten nur einen Teil des Jahres tatsächlich herangezogen, können somit also den größeren Teil ihrer Zeit einem selbstständigen zusätzlichen Erwerb widmen. Üblich ist hierbei die Bewirtschaftung eines kleinen Bauernhofes, da diese auch im Falle eines Kriegseinsatzes regelmäßig von der Frau mit Hilfe der Kinder oder notfalls der Nachbarn weiter besorgt werden kann. Manche Huscarls verfügen zudem über unfreie Kriegsgefangene oder können sich sogar eigene Bedienstete erlauben. So gibt es im Machtbereich einiger großer Adlige regelrechte Dörfer, die nahezu ausschließlich von Huscarls und deren Familien bewohnt sind, welche einen großen Teil des Jahres ihre Bauernhöfe bewirtschaften und nur zu bestimmten Zeiten ihren eigentlichen Dienst versehen. Allerdings tut dies den kämpferischen Fähigkeiten keinerlei Abbruch, die auch in diesen Dörfern sorgfältig gepflegt werden zusammen mit der ständigen Bereitschaft, im Notfall innerhalb kürzester Zeit kampfbereit zu sein. Üblicherweise gehören das Land und auch die Gebäude weiterhin dem Adligen und werden somit nur zur Nutzung leihweise überlassen, aber in der Regel nach langem und treuen Dienst oder auch anläßlich herausragender Einzeltaten als Geschenk übereignet. Da wie bereits gesagt die Söhne der Huscarls ihren Vätern im Dienst zumeist folgen, haben manche dieser Dörfer ihre Besonderheit als Kriegeransiedlung schon seit vielen Generationen bewahrt.

Der Huscarl leistet seinen Eid einem bestimmten Adligen auf Lebenszeit. Das heißt, sein Dienst endet mit seinem Tod oder dem des Herrn. Will er im letzteren Fall der Familie treu bleiben, so erfordert dies die erneute eidliche Bindung an den Nachfolger, was aber in den meisten Fällen geschieht. Auch wenn ein Huscarl aus Altersgründen oder infolge einer schweren Verletzung beziehungsweise Behinderung vielleicht nicht mehr direkt im Kampf eingesetzt werden kann, bleibt er häufig im Dienst und übernimmt sonstige hierbei nützliche Aufgaben wie zum Beispiel als Ausbilder, Waffenwart oder Schreiber. Der Adlige kann jedoch den Huscarl aus besonderem Anlaß schon zu Lebzeiten aus der eidlichen Bindung entlassen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn aufgrund einer bestimmten Verletzung wie zum Beispiel der Verlust eines Armes zwar kein Waffendienst mehr geleistet werden kann und eine sonstige Beschäftigung bei den Huscarls nicht vernünftig oder möglich ist, eine zukünftige Tätigkeit als Bauer oder Handwerker aber sehr wohl ein ange-messenes Leben ermöglichen könnte.

Ebenso könnten wichtige persönliche Gründe vorliegen. Wenn zum Beispiel ein Huscarl im Kampf fällt und eine Frau, vielleicht Kinder sowie einen von seinem Herrn geschenkten Hof hinterläßt, so wäre es ein auf Vinland gerade in dieser Berufsgruppe übliche Verhaltensweise, daß die Witwe erneut einen Huscarl heiratet, vor allem natürlich, wenn der Hof noch nicht in das Eigentum des Verstorbenen übergegangen war und der Gefolgschaftsherr diesen somit zurück verlangen könnte. Hierbei wird es sich häufig um einen Huscarl handeln, der bisher einem anderen Adligen dient und der selbst keinen Hof besitzt oder zumindest in Aussicht hat. Dann werden vermutlich beide beteiligten Adligen zustimmen, daß er den Dienst wechselt. Denn diese Form der Versorgung von Hinterbliebenen eines in treuem Dienst Verstorbenen entspricht vinländischen Gewohnheiten und Denkweisen und bietet zudem eine Möglichkeit der materiellen Verbesserung, die ein wohlwollender Adliger einem guten Huscarl kaum verwehren wird.

Aufgrund der eidlichen und an sich lebenslänglichen Bindung der Huscarls an ihren Herrn kann man sie weniger mit den Sergeanten und anderen Gefolgsleuten des festländischen Feudaladels vergleichen, da diese ja inzwischen überwiegend gegen Bezahlung auf Zeit dienen und daher schon eher als Söldner zu bezeichnen sind. Entsprechend der an anderer Stelle bereits geschilderten Entwicklung der vinländischen Gesellschaft hin zur Feudalgesellschaft entsprechen sie jedoch in mancher Hinsicht bereits den mittelländischen einfachen Rittern, die persönlich kein Lehen besitzen, und die Huscarls mit bereits generationenlangem Dienst bei der gleichen Adelsfamilie und eigenem Hof erinnern bereits deutlich an das ligische Lehns-verhältnis, wie man es mancherorts auf dem Festland findet.

Weibliche Huscarls kommen zwar hier und da bereits vor, aber da es wie beim bereits beschriebenen Karl keine weibliche Form dieser Bezeichnung gibt, führen sie nicht diesen Titel. Da es sich zudem um eine noch vergleichsweise jüngere Erscheinung handelt, hat sich auch noch keine allgemein übliche Bezeichnung eingebürgert und wird statt dessen allgemein von Kriegerin oder Schwerträgerin des jeweiligen Adligen gesprochen.

Lôgmann
„Lôg“ bedeutet wörtlich etwa „Brauchtum“, hat aber tatsächlich eine viel umfangreicheren und schwer vollständig zu beschreibenden Bedeutungsinhalt. Gemeint ist die Gesamtheit der Überlieferung, was Sitte, Moral, Gesetze, Rechtsprechung, Regeln des Zusammenlebens und praktisch alles sonst Denkbare umfaßt, was Struktur und Handeln einer Gesellschaft betrifft.

Logmänner sind daher berufsmäßige Bewahrer aller dieser Überlieferungen. Die Besonderheit hierbei ist, daß die Vinländer traditionell keine geschriebenen Gesetzbücher oder sonstige Sammlungen von Vorschriften kennen, diese also grundsätzlich mündlich mitgeteilt und überliefert werden. Natürlich benutzen die Logmänner alle möglichen schriftlichen Aufzeichnungen und ergänzen diese auch ständig, jedoch käme bei einer entsprechenden Beratung weder ein Logmann noch ein sonst mitredender Teilnehmer auf die Idee, aus irgendeinem Schriftstück etwas abzulesen. Voraussetzung für eine als fachkundig geltende Meinung ist deren freier mündlicher Vortrag. Nur dies stellt nach vinländischer Auffassung sicher, daß der Sprecher etwas von der Sache versteht, weil nur das auswendig beherrschte, jederzeit abrufbare Wissen beweist, daß er sich wirklich mit der Sache befaßt, sie gründlich durchdacht und verinnerlicht hat.

Diese allgemein noch übliche zumindest äußerlich rein mündliche Überlieferung führte bis heute dazu, daß fast jede Vinländer tatsächlich zumindest diejenigen Teile sicher beherrscht, die in seinem direkten Umfeld regelmäßig von Bedeutung sind. Dies sorgt dafür, daß in den meisten Fällen widersprüchliche Meinungen erst gar nicht erst auftreten. Bewußt falsche Behauptungen sind bei der allgemein strengen Verpflichtung eines Vinländers zu Wahrheit und Ehrlichkeit gerade in diesen Bereichen kaum zu erwarten und wirkliche Irrtümer können meistens durch die Mehrheit der Gesprächsteilnehmer geklärt werden. Die Lôgmänner sind bei allen diesen Fragen oberste Instanz und werden daher in wichtigen Streitfällen als Berater hinzugezogen. Ihre Auskunft ist absolut verbindlich und darf keinesfalls angezweifelt werden. Es ist auch bisher noch nie bekannt geworden, daß zwei Lôgmänner unterschiedliche Auskünfte erteilt haben sollen.

Regelmäßig nimmt zumindest ein Lôgmann an jedem Thing teil, um sicherzustellen, daß hier nichts geschieht oder beschlossen wird, was gegen Recht, Sitte oder sonstige Vorschriften verstößt. Das gilt auch für den äußeren Ablauf des Things, aber hier gibt es naturgemäß selten Probleme. Besonders gefragt sind seine Kenntnisse aber bei ungewöhnlichen Rechtsstreitigkeiten, wo seine unvergleichlich umfangreichen Kenntnisse es ermöglichen, frühere Streitfälle gleicher oder vergleichbarer Art sowie hierbei ergangene Entscheidungen auszuwerten. Weder die Adligen noch die Versammlung wird es normalerweise wagen, anders als in Übereinstimmung mit dem solchermaßen dargelegten „Brauchtum“ abzustimmen. Praktisch besteht nur bei nachweislichen Abweichungen im behandelten Fall noch eine beschränkte Möglichkeit, eine entsprechend abgeänderte Entscheidung zu fällen.

Ursprünglich erstreckte sich der Aufgabenbereich der Lôgmänner auch auf den religiösen Bereich. Dies spielt aber keine Rolle mehr, da hier inzwischen die Druiden, Goden, Priester und andere direkten Fachleute sowie seit jüngerer Zeit auch die Inquisition entscheidende Bedeutung erlangt haben. Hier wird ihr Rat aber immer noch vor allem dann eingeholt, wenn es sich um kleine, nur noch örtlich ausgeübte Kulte der Alten Götter handelt.

Auch bei Hochzeiten, Testamentseröffnungen und ähnlichen gesellschaftlichen Ereignissen ebenso wie bei bedeutenden Landverkäufen, Verträgen und sonstigen Geschäften pflegen zumindest die adligen und reichen Familien Lôgmänner zu beteiligen, da es hier ja meist um beträchtliche Vermögenswerte, Machtpositionen und ähnliches geht, wo es keinen Zweifel an der rechtmäßigen und ordnungsgemäßen Abwicklung und damit der Wirksamkeit geben soll.

Besonders gefragt sind die Dienste der Lôgmänner natürlich auch bei Angelegenheiten, bei denen die kriegerischen Ehrvorstellungen eine herausragende Rolle spielen, also bei Duellen, Holmgängen, Gottesurteilen, Verkündigungen von Fehden und Blutrache ebenso wie bei Friedensschlüssen, Beschwörungen der Urfehde sowie auch Abschlüssen von militärischen Bündnissen und ähnlichem. Die Bewahrung des „Lôg“ wird grundsätzlich nur von Männern wahrgenommen. Tatsächlich gibt es jedoch auch Frauen, die zumindest in einigen Bereichen vergleichbar genaues und zuverlässiges Wissen besitzen, die dafür bekannt sind und deren Rat auch gerne eingeholt wird. Diese werden allerdings nicht besonders als „Lôgfrauen“, sondern allgemein als „Dîsir“ bezeichnet, also nicht von anderen „Weisen Frauen“ unterschieden.

Gode
Der Gode, welcher Name etwa „Göttermann“ bedeutet, ist eine besondere vinländische Form des Priestertums. Grundsätzlich kennt auch die vinländische Religion hauptberufliche Priester, die aber nur an den großen Heiligtümern tätig sind. Deren gibt es auf Vinland aber nur sehr wenige und daher haben die meisten Gläubigen nur bei einigen großen Festen Gelegenheit dorthin zu fahren und an religiösen Feiern teilzunehmen. Die althergebrachte Siedlungsform in zum Teil weit auseinander liegenden und weit verstreuten Einzelhöfen machte es nahezu unmöglich, von den Hauptheiligtümern aus eine priesterliche Betreuung sicherzustellen. Aus dieser Notlage ist das Amt des Goden entstanden. Es fanden sich nämlich einzelne Bauern bereit, auf eigene Kosten ein örtliches Heiligtum zu errichten, zu unterhalten und zu betreuen. Die eigentlichen Priester mußten dieses Heiligtum lediglich weihen und soweit erwünscht oder notwendig zum Bau beziehungsweise zur ordnungsgemäßen Abwicklung der Opfer und Rituale entsprechende Unterweisung erteilen. Der betreffende Bauer übernahm dann selbständig und in Eigenverantwortung auch die Durchführung der religiösen Handlungen, wurde also zu einer Art Laienpriester. Als solcher erhielt er die Bezeichnung „Gode“. Naturgemäß handelte es sich bei diesen Goden zumeist um die wohlhabendste und einflußreichste Persönlichkeit der Umgebung, da die meisten einfachen Bauern weder Zeit noch Mittel für so etwas besaßen. Daher hat sich in einigen Gegenden das Amt des Goden zu einer eher politischen Machstellung entwickelt und wird gezielt von den örtlichen Adligen besetzt. Dies wurde vor allem auch dadurch ermöglicht, daß die Goden ursprünglich ja ausschließlich mit den Alten Göttern zu tun hatten und durch den Rückgang der Verehrung durch die Vinländer diese Aufgaben an konkreter Bedeutung verloren.

Dennoch sind die meisten Goden heute immer noch Männer des Glaubens und dies inzwischen auch ausschließlich, daß heißt, sie üben dieses Amt als einzigen Beruf aus und sind keine als Laienpriester tätigen Bauern mehr. Dies hat sich fast nur noch in einigen abgelegenen Gebieten erhalten und natürlich bei den „politischen“ adligen Goden.

Infolge der ständig schwindenden Bedeutung der Alten Götter haben sich auch die Goden überwiegend dem Kult der Drachen zugewandt und auch dem der Neuen Götter, was aber entsprechend dessen allgemeiner Verbreitung je nach Gegenden in bisher noch sehr unterschiedlichem Umfang erfolgt ist. Alle besitzen aber auch durchweg noch Kenntnisse zu den Alten Göttern, aber in sehr unterschiedlicher Weise und zum Teil abhängig davon, wie viele und welche Glaubensteile bei der von ihnen betreuten Bevölkerungsgruppe sich noch lebendig erhalten haben.

Weiterhin können bei der Weltsicht und dem religiösen Leben der Goden zum Teil große Ähnlichkeiten mit den Druiden festgestellt werden, obwohl diese ja nicht nordländischen Ursprungs sind. Tatsächlich war der Kult der Alten Götter sehr stark von schamanistischen und animistischen Vorstellungen geprägt, was der Kundige selbst bei den heute noch übrig gebliebenen Teilen erkennen kann. Daher gab und gibt es zwischen den beiden Lehren zwar zum Teil deutliche Unterschiede hinsichtlich der jeweiligen Götter, aber von der grundsätzlichen Betrachtungsweise her viele Gemeinsamkeiten, so daß die ja tiefer denkenden Goden keine wirklichen Probleme mit der Verbindung des Alten und Neuen Glaubens haben. Der Drachenkult hingegen bedeutet von seiner besonderen Art her ja grundsätzlich keinen Gegensatz, da die Drachen ja zu keiner Zeit als Götter im eigentlichen Sinne angesehen wurden und deren zusätzliche Existenz in fast beliebiger Form überhaupt nicht ausschlossen und ausschließen.

Aufgrund ihres altvinländischen Ursprungs sind die magischen Fähigkeiten und Aktivitäten der Goden eher begrenzt. Sie verfügen zwar über umfangreiche und wirksame Heilungszauber, ansonsten aber eigentlich nur noch über einige Kampfzauber, deren Möglichkeiten aber kaum über den direkten Schutz der eigenen Person hinausgehen. Goden beherrschen auch regelmäßig verschiedene Formen von Orakeln und deren Deutung. Eine ursprüngliche und besonders ausgeprägte Fähigkeiten der Goden stellt die Runenmagie dar. Die Runen selbst stellen zwar kein Geheimnis dar und können von jedem Vinländer benutzt werden, ihr unbestritten heiliger Charakter verhindert aber ihre Anwendung im Alltag und beschränkt diese auf besonders herausgehobene Anlässe wie zum Beispiel Grab- oder Gedenksteine und sonstige, zumeist ehrfurchtgebietende Dokumente. Selbst die Anwendung des Runenorakels enthält keine grundsätzlichen Geheimnisse und steht jedermann offen, jedoch sind die Goden unbestrittene Meister hierin und bei bedeutsamen Anlässen, schwerwiegenden Entscheidungen oder schwierigen Fragestellungen kann auf ihre Mithilfe kaum verzichtet werden. Die Runen können auch für mächtige Schutz- und Heilzauber verwendet werden und auch hierbei ist allgemein bekannt, welche von ihnen welchem Zweck dienen, weil das Anbringen oder Tragen von Runenamuletten grundsätzlich offen und fast nie wirklich versteckt erfolgt. Zur Wirksamkeit der Runenmagie gehören jedoch völlig unverzichtbar bestimmte Zauberlieder mit streng festgelegter Melodie und Wortwahl und die Kenntnis dieser Lieder ist ausschließliches und strengst gehütetes Geheimnis der Goden. Ein besonderes Problem hierbei ist, daß die Runenmagie auch bestimmte Fluch- und Schadenszauber umfaßt, deren Anwendung ja gerade von den Vinländern grundsätzlich abgelehnt und sogar strikt bestraft wird. Andererseits liegt hier auch eine alte und sozusagen göttlich genehmigte Form unbestreitbar altvinländischen Ursprungs vor, die tatsächlich als einzige Ausnahme in gewissem Umfang geduldet wird. Solche Zauber beziehungsweise die entsprechenden Runen müssen offen an einem jedermann zugänglichen Ort angebracht werden und einer Form, daß kein Zweifel über Sinn und Zweck aufkommen können, und wenn sich der Zauber gegen eine bestimme Person oder Gruppe richtet, muß diese zusätzlich direkt und unmißverständlich unterrichtet werden, damit sie zu entsprechenden Gegenmaßnahmen oder Verhaltensweisen Gelegenheit hat. Viele derart beschworene Flüche und Schäden treten nämlich nicht sofort ein, sondern erst als Folge eines bestimmten Handelns oder Unterlassens. Es handelt sich dann also streng genommen nur um die Androhung und noch nicht um die tatsächliche Wirkung verbotener Magie.

Ein weiterer Grund für die Duldung dieser an sich verbotenen Zauber liegt in dem verblüffenden Umstand, daß diese Magie ganz einfach durch Zerstörung der entsprechenden Runen beziehungsweise des Trägers unwirksam gemacht werden kann. Man benötigt also keinen Gegenzauber oder ähnliches, sondern muß lediglich den Gegenstand zerstören, auf dem die magischen Runen angebracht sind. Üblicherweise geschieht dies auf einer Holztafel, die dann entweder verbrannt oder fein zerrieben und zerstreut wird. Dies geschieht aber vergleichsweise selten, denn die Betroffenen ziehen meist vor, dies zu unterlassen und dadurch aller Welt deutlich zu zeigen, wie wenig sie diese Magie fürchten und wie sehr sie den Anwender verachten, zumal sie ja in vielen Fällen sich auch durch entsprechende Schutzzauber selbst schützen lassen können. Daher hat diese Art von Magie oft eher Propagandacharakter und stellt eigentlich nur eine besondere Form von Beschimpfung dar, was die Duldung durch die Vinländer erklärt.

Allerdings konnte und kann nicht verhindert werden, daß in einzelnen Fällen durch besonders geschickte Ausdeutung oder Umgehung dieser Maßregeln eine direkte und unvermeidbare Wirkung solcher Zauber versucht und mit nachdrücklichem, oft tödlichem Erfolg auch erreicht wurde. Solche Fälle und auch die Schuldigen können aber zumeist ermittelt werden und selbst wenn sie aufgrund ihrer geschickten Vorgehensweise oder aber schlicht ihrer Macht nicht bestraft werden, so schadet eine solche Tat in erheblichem Maße dem Ansehen sowohl des Auftraggebers wie auch des ausführenden Goden. Daher setzt dies für gewöhnlich besondere Skrupellosigkeit und eine bereits sehr gesicherte Machtstellung voraus und kommt daher glücklicherweise doch nur sehr selten vor.

Grundsätzlich möglich, allerdings nicht allzu häufig sind weibliche Goden. Ihre vinländische Bezeichnung lautet „Godeya“ oder „Godija“, was aber auch für heutige Vinländer etwas seltsam klingt, weshalb zumeist einfach von einer „Godin“ gesprochen wird.

Die Goden tragen keine bestimmte Tracht und manche zeigen sich auch nur in normaler Kleidung. Die meisten bevorzugen jedoch die langen Gewänder und Mäntel, wie sie allgemein als Kennzeichen weiser und überwiegend geistig tätiger Menschen angesehen werden. Auch sonst gibt es keine festen und sicheren Kennzeichen, an denen ein Gode erkannt werden kann. Allerdings tragen sie fast immer ein Runenamulett oder mehrere, was allerdings manchmal auch andere tun. Üblich ist auch das Mitführen eines mannshohen oder höheren Stabes, der oft in einer verzierten Lanzenspitze endet, aber auch ohne diese als gefährliche Waffe dient sowie als Hilfe beim Wandern und meist auch für einige andere Dinge.

Druide
Die Druiden auf Vinland entstammen als Amt dem Alten Volk, wenn es sich heute auch durchweg um Vinländer handelt. Die genaue Bedeutung des Namens kann heute nicht mehr festgestellt werden, die meisten Gelehrten vertreten eine von zwei Erklärungen, deren erste die Bezeichnung etwa als “Lehrer“ übersetzt und deren zweite sie vom altsprachlichen Wort für „Eiche“ ableitet, da diese tatsächlich als besonders heiliger Baum gilt.

Obwohl es viele Ähnlichkeiten und Überschneidungen mit den Goden gibt, sind dennoch bedeutende Unterschiede festzustellen. Während der Gode sich regelmäßig selbst für sein Amt entscheidet, wird der Druide ausnahmslos von den höheren Mächten erwählt, und zwar eher von den Natur- und Himmelsgeistern als den hohen Göttern selbst. Dies geschieht zumeist sogar gegen den Willen des Auserkorenen, nicht nur, weil dieser selbst ja vorher andere Vorstellungen über sein Leben hat, sondern auch, weil er in der folgenden Zeit und oftmals viele Jahre lang in unregelmäßigen Abständen, für ihn weder vorhersehbar noch zu steuern von geistern besessen und verschiedenen Erziehungen oder Prüfungen unterworfen wird, die für ihn äußerst erschütternd und in die tiefste Seele schneidend verlaufen, ihn dabei nicht nur völlig erschöpfen, sondern oft auch schwerste Verletzungen verursachen. In einigen Fällen solcher Besessenheit hat der angehende Druide dies auch tatsächlich nicht überlebt, obwohl die Geister normalerweise nur geeignete Kandidaten auswählen und diese zwar bis zur äußersten Grenze, aber zumeist doch nicht darüber hinaus belasten.

Sobald ein solcher Auserwählter seine Bestimmung innerlich angenommen hat, wird er einen Druiden bitten, seine Ausbildung zu übernehmen. Dies geschieht zumeist noch während der Zeit der Besessenheiten und der Druide wird ihn normalerweise ohne Bedenken annehmen, da hier ja erkennbarer höherer Wille herrscht. Diese Ausbildung dauert ungewöhnlich lange und darf kaum vor Ablauf von mindestens zehn Jahren beendet werden.

Dies liegt an dem praktisch allumfassenden Wirkungs- und Lehrgebiet der ursprünglichen Druiden des Alten Volkes. Bei den Vinländern sind seither jedoch einige dieser Bereiche gänzlich entfallen und andere werden nur recht oberflächlich gestreift. Daher können heutige Druiden ihre Ausbildung bei besonderer Begabung und Lernwilligkeit doch wesentlich früher abschließen, manchmal schon nach vier oder fünf Jahren. So gehörte zu den ursprünglichen Fähigkeiten der Druiden auch die Beherrschung von Musikinstrumenten, Gesang und Dichtkunst. Ihre besondere Kunst in diesen Bereichen ist zwar an sich erhalten geblieben, wird aber heute nahezu ausschließlich von den Barden gelernt und gepflegt, die als eigener Stand gelten und nicht mehr zu den Druiden gezählt werden, was ursprünglich tatsächlich der Fall war.

Die Lehre und das Wirken der Druiden kreist vor allem um die Natur, die sich am reinsten und reichsten in unberührten üppigen Wäldern offenbart, welche daher bevorzugtes Wohn- und Wandergebiet sind. Hier ist ein deutlicher Unterschied zu den Goden erkennbar und erklärbar, da diese ja rauhen nördlichen Gebieten entstammen, wo die Natur eher karg und ein großer Wald, vor allem ein solcher mit Laubbäumen und vielfältigem Leben eine seltene Erscheinung ist. Das Alte Volk auf dem einst so üppigen und drachengeschützen ursprünglichen Vinland kannte jedoch so etwas im Übermaß.

Die Menschen des Nordens mußten und müssen die ihnen eher feindliche Natur zum Überleben zu ihren Gunsten umgestalten und dies prägte die Lehre der Goden. Die Druiden jedoch sehen die Macht und den Segen des gewaltigen, allgegenwärtigen und ununterbrochenen Kreislaufes der Natur mit seinem ständigen und untrennbaren Wechsel von Leben und Tod. Es verwundert daher nicht, daß sowohl die Alten Götter wie auch die Drachen, die ja zu Vinland gehören und diese Welt beherrscht und geprägt haben, in ihrem jeweiligen Wesen in scheinbarem Gegensatz angeblich gut und böse, helle und dunkle, lebensspendende und todbringende Seiten vereinen, denn tatsächlich gehören diese alle untrennbar zusammen und erst ihr gegenseitiges Wirken macht die Schöpfung und das Leben erst möglich.

Der Druide sieht daher die Menschen als Wesen, die zwar innerhalb ihres persönlichen Bereiches ihr Leben selbständig und reich gestalten und genießen können, ansonsten jedoch innerhalb der Welt beziehungsweise der Natur keine bessere Stellung keine bessere Stellung einnehmen als alle anderen Lebewesen. Der Mensch kann zwar versuchen, die Natur gewaltsam nach seinem Wunsch zu verändern, ja zu zerstören, wird aber unweigerlich hierbei scheitern und untergehen. Da er jedoch im Gegensatz zu Pflanzen und Tieren einen zu Widerspruch und Aufruhr fähigen Verstand besitzt, muß er sich bemühen, auch mit diesem Verstand die Herrschaft der Natur anzuerkennen, sich ihren Gesetzen und ihrem Kreislauf zu unterwerfen und die ihm gewährten Möglichkeiten im Rahmen seiner Grenzen schöpferisch zu einem er-füllten Leben zu gestalten.

Der Druide beobachtet wissend den allgegenwärtigen Kreislauf aus Leben und Tod und weiß, daß eine Geburt unabwendbar auch Sterben, dieses aber wiederum sicher erneute Geburt bedeutet. Die von ihm vertretene Lehre beinhaltet daher auch den festen Glauben an die Wiedergeburt eines jeden Lebewesens, also auch aller Menschen, auch wenn diese sich nicht mehr bewußt an frühere Leben erinnern können. Der Druide kann dies jedoch für sich und andere und mancherlei mehr, denn mit zunehmender Erfahrung kann er den Zustand seiner Besessenheit auch durch eigenen Willen erreichen, seine Wanderungen durch die Traumländer und die Anderswelt selbst steuern und sich auch an seine Erfahrungen und Erkundigungen nach seinem Erwachen erinnern. Allerdings hängt es noch immer vom Willen und Wollen der Götter und Geister ab, wie vollständig ihm das wirklich gelingt und wieviel er von seinen dort gewonnenen Kenntnissen in der stofflichen Welt noch berichten und nutzen kann. Der normale Mensch erlebt wohl ähnliches bei seinen Träumen, an die er sich ja auch oft gar nicht und häufig nur sehr verschwommen und unvollständig erinnern kann und deren erinnerte Bilder und Bot-schaften oft rätselhaft und kaum deutbar sind.

Auf eine solche Traumreise bereitet sich ein Druide sorgfältig mit verschiedenen Ritualen vor, wobei ihm dies mit fortschreitender Erfahrung einfacher und sicherer gelingt. Während seiner Besessenheit wirkt es auf die Anwesenden, als ob seine Seele seinen Körper verlassen hätte, den dieser bleibt diese Zeit über regungslos liegen und abgesehen von vielleicht einigen gelegentlichen Zuckungen zeigt er keinerlei Zeichen von Leben mehr, selbst Herzschlag und Atmung sind nicht mehr festzustellen. Tatsächlich ist der Leib des Druiden in dieser Zeit nicht nur hilflos gegen jeden Angriff und Schaden und sollte daher sicher gelagert und beschützt werden, er ist auch im gewissen Sinne tot. Denn es soll schon Druiden oder besser ihrem Geist oder ihrer Seele nicht mehr die baldige Rückkehr in ihren Körper gelungen sein und dieser dann in der bei Toten üblichen Zeit und Art zerfallen und vergangen sein.

Gelingt dem Druiden jedoch die Rückkehr in seinen Körper, was glücklicherweise regelmäßig der Fall ist, so zeigt er nach seinem Erwachen jedoch starke Zeichen der Erschöpfung und benötigt oft einige Zeit, um sich erheben oder auch nur sprechen zu können. Es ist daher ratsam, hierfür auch Speise und Trank bereit zu halten.

Kaum ein Sterblicher erlangt so tiefe Kenntnis der Natur wie der Druide. Er besitzt nicht nur großes Wissen über die Naturgeister und anderen höheren Mächte von Wäldern und Wiesen und die ihnen gebührende Verehrung, sondern vermag auch im Gebiet seines regelmäßigen Aufenthaltes mit diesen festen und vielfachen Kontakt aufzunehmen und zu pflegen. Viele können auch mit manchen Tieren sprechen und Freundschaft schließen, einige vermögen das sogar mit Bäumen und anderen Gewächsen. Der Druide ist daher ein von beiden Seiten gern gesehener Mittler zwischen der Natur und den Menschen und kann daher manchen Schaden verhindern und auch Widersprüche verhindern. Er kann sogar in besonderen Fällen erfolgreich Hilfe der Naturmächte für die Menschen erbitten. Es sei nur daran erinnert, welch wichtige und entscheidende Rolle Druiden wie Naturgeister schon wiederholt in den Kämpfen der Vinländer gegen Nexxon und die Voltarier gespielt haben.

Für den Alltag wichtiger und aus ihren besonderen Kenntnissen leicht erklärbar ist, daß Druiden wahre Meister in der Kunde über Heilmittel und Gifte sind, aber auch sonst kluge Ratschläge zu einer den Naturgesetzen angemessenen Land- und Forstwirtschaft sowie der Ernährung geben können. Daher ersetzen sie auf Vinland auch weitestgehend die weltlichen Ärzte, von denen sich trotz der mancherorts in den Mittellanden höchst entwickelten Kunst noch kaum jemand auf den Inseln niedergelassen hat.

Es überrascht auch nicht, daß Druiden umfangreiche Kenntnisse und Fertigkeiten der Magie besitzen. Da ihrer Auffassung nach jedoch Leben und Tod gleichermaßen zur Welt gehören, können für sie auch Weiße wie Schwarze Magie nicht im moralischen Sinne als gut oder böse gewertet werden. Daher lehnen sie Schadens-, Todes-, Blut- und andere Zauber dieser Art nicht grundsätzlich ab. Dies läßt eigentlich unüberwindliche Schwierigkeiten mit der strengen vinländischen Ablehnung und Verfolgung solcher Magie erwarten.

Tatsächlich führt dies aber nur selten zu Problemen. Der Grund dafür liegt darin, daß für den Druiden die Gleichberechtigung zwischen Gut und Böse auch die Forderung nach ständigem und gleichwertigem Ausgleich enthält. Dies bedeutet, daß das eine nicht gewirkt werden soll, wenn nicht das andere Element ebenfalls Wirkung entfaltet oder entfaltet hat.

Daher sieht er Heilungszauber nicht als einfach als „gut“ an, sondern vor allem als Ausgleich zu der „schlechten“ Krankheit oder besser ausgedrückt, aus Ausgleich zwischen Leben und Tod, und ob die Heilung dann gelingt oder der Kranke stirbt, entscheiden letztendlich die höheren Mächte im Sinne des Gesamtgleichgewichtes zwischen Werden und Vergehen. Schutzzauber sind dann ebenso ein Gegengewicht im Ausgleich zwischen den Versuchen, Leben zu vernichten oder zu bewahren.

Aus eben diesem Grund ist für den Druiden auch das Leben bedrohende, schädigende oder vernichtende Magie nicht grundsätzlich böse, darf aber stets nur im Sinne dieses Ausgleiches angewandt werden. Dies bedeutet aber zwingend, daß er Kampfzauber nur bei wirklicher Notwendigkeit und nur in einem angemessenen Umfang einsetzen wird. Krieger im Kampf suchen ja das Leben des Gegners zu vernichten, aber zugleich das eigene zu bewahren und schaffen hierdurch grundsätzlich den notwendigen Ausgleich. Besitzen sie jedoch deutliche Überlegenheit an Zahl oder Waffen, wird das Gleichgewicht zugunsten des Tötens verschoben und ist es daher zulässig, ja notwendig, durch Einsatz von Magie die beiderseitige gesamte Kampfkraft wieder auszugleichen, da ja normalerweise weder die Zahl der eigenen Kämpfer erhöht noch plötzlich mehr Waffen bereit gestellt werden können. Dieses bedeutet zugleich aber, daß Kampfmagie immer nur in angemessenem Umfang eingesetzt wird und auch selten den Gegner direkt töten wird. Dies aber läßt sich recht gut mit der vinländischen Auffassung über ehrenhaftes Kämpfen vereinbaren.

Geister oder gar Dämonen wird ein Druide grundsätzlich nicht beschwören, denn da diese ja zu anderen Sphären gehören, wird hier das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Existenzebenen verletzt. Zusätzlich besitzen diese Wesen ja auch eine höhere Stellung als der Mensch, so daß dieser sich nicht erdreisten darf, sie durch Magie gegen ihren Willen zu etwas zu zwingen. Daher kann der Druide sie allerdings um ein Eingreifen bitten, da sie dann ja aufgrund eigener Entscheidung freiwillig handeln. Ebenso verfügt er über zum Teil sehr mächtige Zauber, von anderen magisch beschworene höhere Wesen zu vertreiben und zu bannen, um hierdurch soweit möglich die Verletzung des Gleichgewichtes wieder rückgängig zu machen.

Da der Tod grundsätzlich notwendiges Ergebnis des Kreislaufes von Werden und Vergehen darstellt, lehnt der Druide die Wiederbelebung von Verstorbenen grundsätzlich ab. Trotzdem beherrschen einige mächtige Druiden auch diese Kunst, denn es gibt eine Ausnahme. Wenn nämlich der Tod Folge eines besonders schwerwiegenden Verstoßes gegen das Gleichgewichtes der Natur ist, muß er selbst auch nicht unbedingt als notwendig und gerecht angesehen werden. Dies könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn er im direkten Kampf gegen einen magisch beschworenen Dämon oder gar Nexxon selbst geschah. Denn hier wäre der Ausgleich der Verletzung der Naturgesetze eben auch durch Aufhebung der hierdurch entstandenen Folgen unter Umständen höher zu bewerten als die Notwendigkeit und auch das Recht des Sterbens.

Allerdings wird ein Druide aufgrund der eingeschränkten Urteilsfähigkeit seines ja nur menschlichen Verstandes den Erfolg einer von ihm versuchten Wiederbelebung ausdrücklich der Entscheidung der höheren Mächte anheimstellen.

Die Erkenntnisse und Ratschläge, die ein Druide durch Orakel und Traumreisen im Zustand der Besessenheit erwirbt, werden gerne regelmäßig in Anspruch genommen. Die damit zusammen hängenden Anderswelten und höheren Ebenen sind dem Vinländer jedoch wenig vertraut und eher unheimlich, da sie nicht seiner typischen Weltsicht und Denkweise entsprechen. Vor allem aus diesem Grund sind die Druiden auf den Inseln immer von einer geheimnisvollen, ja gefährlichen Aura umgeben. Dies führt auch dazu, daß bei ihnen auch magische Praktiken nicht kritisiert oder gar geahndet werden, deren Zulässigkeit nach streng vinländischer Auffassung nicht so einwandfrei feststeht. Allgemein gilt, daß man sich mit Druiden –besser nicht anlegt, aber dies nicht auch nicht notwendig ist, da Druiden zwar bisweilen seltsame, aber grundsätzlich nur gute Ziele verfolgen und auch nie der Sache Vinlands wirklich schaden, sondern zumeist direkt nutzen.

Die Alten Götter vertreten nicht den Grundsatz des Gleichgewichtes, sondern sind durchweg einseitig gut oder böse ausgerichtet. Daher sind sie auch kein Teil der Lehre der Druiden, die auf diesem Gebiet aber nachdrücklich die Sache sowohl der Drachen wie auch der Neuen Götter vertreten, da ja beide Gruppen von Wesenheiten in sich stets helle und dunkle Seiten vereinen. Allerdings sind sie keine Glaubensverkünder im eigentlichen Sinne, versuchen aber Interessierten geduldige und ausführliche Erklärungen zu geben.

Es gibt auch zahlreiche weibliche Druiden. Es heißt, diese seien sogar sehr viel geeigneter für diesen Stand als Männer. Denn Frauen besitzen auf natürliche Weise eine höhere Empfänglichkeit für übernatürliche Dinge. Zudem können beide Geschlechter zwar gleichermaßen gut töten, aber die Rolle der Frau ist beim Schaffen von Leben durch ihr Austragen und Gebären der Kinder weitaus bewußter und intensiver als die des Mannes. Daher ist es Frauen schon von ihrer Natur aus leichter, den Kreislauf der Natur und den Ausgleich der Gegensätze zu erkennen, zu begreifen und danach zu leben. Trotzdem ist die Zahl der eigentlichen Druidinnen sehr viel geringer als eigentlich hiernach zu erwarten wären.

Dies liegt vor allem daran, daß viele in dieser Hinsicht tätigen Frauen nicht den gesamten Bereich des Druidentums aktiv betreiben, sondern nach außen erkennbar nur bestimmte Gebiete. Daher werden viel nur als Heilerinnen oder Wahrsagerinnen angesehen, obwohl sie aufgrund ihrer tatsächlichen Kenntnisse und Fähigkeiten eigentlich mit vollem Recht als Druidinnen bezeichnet werden müßten. Daß dies häufig nicht geschieht und auch die betreffenden Frauen dies nicht tun, hängt mit der allgemeinen Stellung und Aufgabe der Frau in der vinländischen Gesellschaft zusammen, die später noch gesondert beschrieben wird. Auch die Druiden besitzen keine besondere Tracht, bevorzugen aber wie die Goden entweder die vinländische Alltagskleidung oder lange Gewänder. Sie sind aber zumeist sofort zu erkennen, da sie zusätzlich meist zahlreiche Dinge verschiedenster und oft seltsam wirkender Art tragen. Neben noch recht alltäglichen Sachen wie kleinen Beuteln und Taschen sowie Amuletten und Symbolen der Drachen und der Neuen Götter sind dies besonders häufig seltsame Schmuckstücke, die an Schnüren oder auch auf die Kleidung genäht getragen werden. Zumeist bestehen sie aus Dingen in direktem Zusammenhang mit der Natur, also zum Beispiel Federn und Haaren, kleinen Fellen oder Fellstücken, getrockneten Gräsern und Blättern oder Zähnen und Hufen, wobei letztere mit schönem Schnitzwerk verziert sein können. Druiden, die ein besonders enges Verhältnis zur Natur pflegen und sich häufig in die Wälder begeben, tragen gerne Umhänge, Kapuzen und auch andere Kleidungsstücke aus Fell sowie auf dem Kopf manchmal Hörner oder Geweihe. Solche, die besonders häufig Traumreisen unternehmen und ein besonders enges Verhältnis zur Anderswelt besitzen, sind oft daran zu erkennen, daß sie kleine Puppen oder andere Abbilder von Menschen und Tieren sowie kleine, auf die Kleidung genähte Spiegel tragen.

Sinn und Zweck dieses und des sonstigen vielfältigen Schmuckes ist Außenstehenden kaum bekannt und die Druiden selbst pflegen kaum Erklärungen zu geben außer der sehr allgemeinen, daß diese Dinge sie bei ihrem Wirken unterstützen. Auch sonst ist es aber offensichtlich, daß vieles tatsächlich nicht nur einfach Schmuck oder Abzeichen darstellt, sondern magische Kraft und Funktion besitzt.

Schamane
Diese Bezeichnung stammt aus keiner der auf Vinland bekannten Sprachen, sondern aus irgendeinem fremden barbarischen Dialekt im Norden oder Osten der Mittellande und niemand kennt ihre genaue Bedeutung. Da Schamanen bei den dortigen Stämmen schon immer eine gewohnte Erscheinung darstellen, auf Vinland aber erst in jüngerer Zeit auftraten, wurde dieser Name einfach übernommen. Allerdings ist diese Ähnlichkeit mit den Barbaren nur äußerlich und vielleicht auf ähnlichen Weltbildern aufgebaut. Die vinländischen Schamanen haben sich jedoch selbständig aus den Druiden entwickelt und abgesehen vom Namen nichts mit diesen Fremden zu tun.

Tatsächlich sind die Schamanen nicht immer leicht von den Druiden zu unterscheiden. Es handelt sich nämlich eigentlich um Druiden, die über das gewöhnliche Maß hinaus sich der freien Natur und der Geisterwelt widmen. Daher leben die meisten auch ziemlich abgeschieden von den Menschen oder als regelrechte Einsiedler in den Wäldern und Gebirgen.

Während ein Druide sich aus eine Traumreise oder Vision gewissenhaft und rituell vorbereiten muß, kann ein Schamane allein durch Willenskraft in einem Augenblick in die Anderswelten überwechseln. Selbst die Verbindung zu den in dieser Welt hausenden Naturgeistern ist ihm schneller und leichter möglich. Schamanen haben auch häufige und vielfältige Gespräche und Freundschaft mit Tieren und Pflanzen, was sonst nur erfahrenen und mächtigen Druiden gelingt. Viele haben auch regelrechte Lebensgemeinschaft mit einigen Tieren, die sie ständig begleiten, sie auch beschützen oder ihnen sonstige, zum Teil überraschende Dienste leisten und von denen einige sogar die menschliche Sprache erlernt haben sollen.

Die Menschen und ihre Probleme sind den Schamanen recht gleichgültig geworden und viele von ihnen vermeiden grundsätzlich jeden Kontakt. Andere lassen Besuche zwar zu, werden aber äußerst unfreundlich, wenn der Grund dafür ihnen zu unzureichend für eine derartige Belästigung erscheint. Nur wenige können als immer noch menschenfreundlich und hilfsbereit bezeichnet werden. Ihre Hilfe kann sehr wertvoll sein, da sie alle Künste der Druiden beherrschen und manchmal weitaus besser als diese. Denn sie diese taugen zumeist für alle anderen Geschöpfe genauso wie für Menschen, werden daher vielfach angewandt und der Schamane lernt hier manches an zusätzlichen Möglichkeiten kennen, was er in menschlicher Umgebung nicht erfahren könnte. Zudem sollen die Geister ihnen und nur ihnen wegen ihrer besonderen Freundschaft manchmal auch besondere Geheimnisse verraten.

Auch die Kleidung der Schamanen entspricht grundsätzlich derjenigen der Druiden, ist aber häufig roh und selbst gefertigt und meist mit weit mehr und viel absonderlicheren Dingen versehen. Tatsächlich weckt sowohl das Äußere wie auch oft das Verhalten der Schamanen den Eindruck, es handele sich um Druiden, die vorsichtig ausgedrückt zu oft die stoffliche Welt verlassen haben und etwas absonderlich geworden sind. Es wäre aber sehr unklug und vielleicht sogar gefährlich, einen Schamanen dementsprechend zu behandeln oder gar eine entsprechende Bemerkung zu machen. Ihr Verstand ist wach und scharf, aber sie halten eben andere Dinge für weitaus wichtiger und wertvoller als die der unwissenden Menschen. Sollte diese oder eines ihrer Probleme ihr Interesse wecken, so sind ihr Rat und ihre Hilfe mehr als wertvoll und sie wissen weise und wichtige Worte zu sprechen.

Allerdings kann niemand sicher sein, daß ein Schamane dieses Interesse von einem Augenblick auf den anderen wieder verliert, vor allem, wenn er durch die Geister oder auf andere nicht erkennbare Weise von anderen, dringenderen Problemen oder Gefahren erfährt. So kann es geschehen, daß er mitten in einer Beratung diese plötzlich ohne Erklärung oder Gruß verläßt und verschwindet oder sogar, daß er sofort auf eine Traumreise geht. Dann stehen die Anwesenden überrascht vor seinem scheinbar leblos gewordenen Körper und tun gut daran, diesen wie den eines ähnlich zur Anderswelt gegangenen Druiden zu behandeln. Denn nur wenn sein Körper und er selbst nach seiner Rückkehr in respektvoller und fürsorglicher Weise Behandlung erfährt, wird er vielleicht erwägen, weiterhin diesen Menschen zu helfen.

Niemand hat wohl bisher gewagt, bei einer solchen Gelegenheit den Körper anders zu behandeln oder gar ihm zu schaden oder etwa durch Fesselung den Besitzer nach seiner Rückkehr in Zwang zu nehmen versucht. Denn angesichts der geheimnisvollen Kräfte und Künste weiß keiner, inwieweit ein Schamane auch aus der Anderswelt seinen Körper noch beobachten und notfalls schützen kann und es heißt, ein zorniger Schamane kann schrecklicher und tödlicher sein als ein Dämon.

Die Schamanen sind also sehr eigenartige Menschen, und wenn man einem begegnet oder es gar angeraten erscheint, seine Hilfe zu erbitten, sollte man sich sehr klug und sehr höflich verhalten. Dringend empfehlenswert ist, hierfür den Rat oder möglichst auch Begleitung und Unterstützung eines Druiden zu erhalten, denn diese können noch am ehesten die Gedanken und Fähigkeiten eines Schamanen ermessen oder erahnen.

Priester
Die vinländischen Priester entsprechend weitestgehend ihren festländichen Amtsbrüdern, das heißt, sie dienen einer bestimmten Gottheit in einem bestimmten Heiligtum. Sie vertreten und verkünden auch deren Lehre, auf Vinland allerdings nur in dem betreffenden Heiligtum gegenüber Gläubigen und Fragestellern. Sie entfalten keinen missionarischen Eifer und ziehen daher nicht im Land umher, um selbst neue Gläubige zu gewinnen, aber das ist auch in den Mittellanden nicht überall üblich. Solche Aufgaben werden eher von Gläubigen selbst übernommen, die dann selbst ein Heiligtum errichten und das Amt eines Goden antreten. Tatsächlich wird der überwiegende Teil des religiösen Lebens auf Vinland von den Goden und Druiden gestaltet. Wirklich große Heiligtümer gibt es nur wenige und diese liegen nahezu alle in den ältesten Siedlungsgebieten. Sie sind auch alle von ehrwürdigem Alter, denn sie wurden errichtet, als die ursprünglichen Bevölkerungsgruppen noch ziemlich geschlossen in den fruchtbarsten und daher zunächst vollständig besiedelten Landesteilen lebten. Die folgende weitere Ausdehnung erfolgte ja wie beschrieben in sehr zerstreuter Form und da sich in den neuen Gebieten erst viel später und sehr langsam größere Bevölkerungsdichte sowie Mittelpunktsorte entwickelten, die aber zumeist kaum über die Größe von Dörfern hinaus wuchsen, kam es statt zur Errichtung neuer bedeutender Heiligtümer zu der Einrichtung der Goden. Daher ist auch die Zahl der Priester in Vinland vergleichsweise gering und sicherlich kleiner als die der Goden. Dies ist auch darauf zurück zu führen, daß es keine Heiligtümer und damit auch keine Priester der Alten Götter mehr gibt und solche der Drachen nie bestanden, da die besondere Form von deren Verehrung derartiges schon immer ausgeschlossen hat. Die heute vorhandenen dienen somit ausschließlich den Neuen Göttern.

Von manchen heutigen Heiligtümern ist noch bekannt, daß sie ursprünglich für Alte Götter errichtet und erst nach deren Verschwinden den Neuen Göttern geweiht wurden und von machen anderen ist dies stark zu vermuten. Bei anderen wiederum zeigen der Baustil oder zumindest eine fachkundige Prüfung der Fundamente und andere Teile, daß es sich um ehemalige Heiligtümer des Alten Volkes handelt, die wahrscheinlich schon von diesem der heute noch hier verehrten Gottheit errichtet worden sind.

Vinländische Priester tragen auch im Alltag nahezu ausnahmslos lange Gewänder, ohne daß es eine besondere eindeutige Tracht gibt. Sie sind aber zumeist leicht zu erkennen, da diese regelmäßig in einer für die jeweilige Gottheit charakteristischen Farbe oder Farbkombination gehalten sind. Hinzu kommen häufig Stickereien und andere Verzierungen, aber auch Amulette und sonstige Schmuckstücke, die das eigentliche Symbol der betreffenden Gottheit sowie jeweils beliebte und bekannte andere Motive und Formen aufweisen. Diese sollen aber nicht hier, sondern später bei der Beschreibung der einzelnen Gottheiten näher geschildert werden.

Priester leben normalerweise in beziehungsweise neben ihrem jeweiligen Heiligtum in entsprechenden zusätzlichen Gebäuden. Sie halten sich auch nur dort oder in der dazugehörenden Ortschaft auf und unternehmen Reisen nur aus besonderem Anlaß. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie aus den Spenden der Gläubigen, durch welche die Heiligtümer aber im Laufe der Zeit doch recht beträchtliche Vermögen angesammelt haben.

Jedes Heiligtum wird von einem Oberpriester geleitet und die übrige Priesterschaft ist unter ihm in einer Hierarchie eingebunden. Hierbei bekleiden die einzelnen Priester auch verschiedene Ämter bei Ritualen, Orakeln und anderen heiligen Handlungen, Instandhaltung und Beaufsichtigung des Heiligtums sowie der Verwaltung der Gemeinschaft und des Besitzes.

Die meisten Neuen Götter besitzen nur ein Heiligtum auf ganz Vinland und keiner von ihnen mehr als eines auf jeder Insel. Auch diese werden an späterer Stelle näher genannt. Daher gibt es keine über die einzelnen Heiligtümer hinausgehende Organisation der Priesterschaft. Gibt es mehr als ein Heiligtum einer Gottheit, so finden normalerweise einmal im Jahr eher formlose Zusammenkünfte der betreffenden Oberpriester statt, um eventuelle Glaubensfragen oder andere gemeinsame Probleme zu besprechen und durch einfache Abstimmung zu entscheiden.

Priester wählen ihren Beruf oder ihre Berufung aus eigenem Entschluß. Alter, bisherige Tätigkeiten oder Geschlecht spielen keine Rolle, es muß sich allerdings um freie und unbescholtene Volljährige handeln. Eine bereits bestehende Ehe ist grundsätzlich ebenso zulässig wie eine spätere Verheiratung als Priester, jedoch kommt beides vergleichsweise selten vor.

Der Oberpriester prüft die Gläubigkeit und Ehrlichkeit des Bewerbers und dieser wird nach zustimmender Entscheidung in einer Zeremonie in die Priesterschaft aufgenommen. Er dient aber zunächst als Gehilfe und muß eine mehrere Jahre dauernde Ausbildung mit einigen Prüfungen durchlaufen, bevor er das eigentliche Priesteramt bekleiden darf.

Grundsätzlich ist der Anteil von Frauen bei der Priesterschaft deutlich höher als bei anderen Gottesdienern. Bei weiblichen Gottheiten stellen Priesterinnen sogar eindeutig die Mehrheit und die Zahl der Männer ist erheblich geringer als im umgekehrten Fall. Alle Neuen Gottheiten lassen aber Priester beiderlei Geschlechtes zu.

Geweihte
Geweihte sind eine besondere Art von Priestern, die ihr Amt aber nur nebenher und im eingeschränkten Maße ausüben. Sie verfolgen also überwiegend eine andere, nicht religiöse Tätigkeit aus und zeichnen sich vor allem durch eine besonders große Gläubigkeit zu ihrer Gottheit aus. Weitere Voraussetzungen hinsichtlich Stand, Geschlecht, Alter, Beruf und ähnlichem bestehen nicht. Üblicherweise handelt es sich jedoch um vinländische Freie, jedoch können mit Einverständnis ihres Herrn auch Unfreie geweiht werden.

Zukünftige Geweihte bewerben sich beim Heiligtum ihres Gottes und werden nach entsprechender Prüfung und gegebenenfalls ergänzender Unterweisung vom Oberpriester geweiht. Die Folgen einer solchen Weihe sind sowohl bei den verschiedenen Gottheiten wie auch hinsichtlich Alter, Geschlecht, Beruf und Stand und sonstigen Gewohnheiten des Geweihten zum Teil sehr unterschiedlich. Daher können hier nur die wichtigsten Gemeinsamkeiten genannt werden.

Daß ein Geweihter besonders gläubig ist, seine Gottheit besonders häufig durch Gebete, Opfer und ähnliches ehrt und seinen Glauben auch offen vertritt, liegt natürlich auf der Hand. Durch seine Weihe wird er auch in besonderem Maße der Gnade und Zuneigung seines Gottes anempfohlen und kann daher eher wie normale Gläubige auf Erfüllung seiner Gebete und Wünsche hoffen, möglicherweise in besonderen Fällen sogar auf ein regelrechtes Wunder.

Ebenso darf der Geweihte in vereinfachter Form gottesdienstliche Handlungen und ähnliche Rituale vornehmen, die an sich nur Priestern erlaubt sind. Diese dürfen grundsätzlich an jedem beliebigen Ort stattfinden, bedürfen also keines vorhandenen Heiligtums. Erfolgen sie jedoch an einem einer anderen Gottheit geweihten, sonstwie magisch behafteten oder gar verfluchten Stätte, steht die Wirksamkeit doch sehr in Frage und hängt sehr von dem Glauben und der Macht des Geweihten selbst ab. Vorhandene Magie oder Flüche selbst zu brechen und einen Ort somit zu reinigen, vermag jedoch nur ein Priester.

Mit deren Einverständnis kann der Geweihte auch in priesterlicher Form andere Anwesende in sein Ritual einschließen und auch für diese göttlichen Segen, Erfüllung von Wünschen und ähnliches erbitten, wenn auch normalerweise nicht in dem Umfang, wie es einem Priester möglich wäre. Er kann zwar selbst keine Weihung vornehmen, hieran Interessierten jedoch entsprechende Unterweisung erteilen und den Bewerber seinen Priestern entsprechend empfehlen., was diese auch normalerweise entsprechend anrechnen.

Geweihte tragen normale alltägliche Tracht ihrer eigentlichen weltlichen Tätigkeit. Äußerlich erkennbar sind sie außer durch ihr tatsächliches Verhalten in der Regel durch als Abzeichen, Amulette, Schmuck oder sonstwie gezeigte Symbole ihrer Gottheit. Sie bevorzugen zumeist auch für ihre Kleidung die Farben ihrer Gottheit, was aber, da alle diese auch einfach aus modischen oder geschmacklichen Gründen gewählt sein könnte und eben keine besonderen Trachten vorliegen, keinen sicheren Schluß erlaubt.

Natürlich ergibt es sich fast zwangsläufig und ohne entsprechende zwingende Vorschrift, daß Geweihte in überwiegender Zahl das Geschlecht ihrer Gottheit besitzen und sehr häufig auch einen Beruf, der mit deren besonderen Wesen zusammenhängt oder besonders gut dazu paßt.

Mönche
Auf vinländisch heißt ein Mönch „pâpa“, jedoch wird diese Bezeichnung kaum benutzt. Angehörige dieses Standes ebenso wie die entsprechenden Klöster gibt es nur im Zusammenhang mit den Drachen.

Als die Drachen noch in körperlicher Gestalt Vinland beherrschten, bedurften sie wegen ihrer Gegenwärtigkeit keinerlei Heiligtümer, Opfer oder Priester. Doch in der Weisheit der Alten Drachen hegten sie viele und tiefe Gedanken, die über ihr Land und dessen Bewohner weit hinaus gingen. Wie es heißt, zog sich jeder Drache gerne und regelmäßig hoch in die Berge zurück an einen bestimmten Platz, wohl den, an dem er einst geboren wurde. Hier weilte er dann und erforschte in seinem Geiste die Gesetze und Geheimnisse der Welt und andere Dinge jenseits der menschlichen und sogar elbischen Weisheit.

Manche besondere Menschen aber suchten hieran teilzuhaben, zogen hinauf zu den Ruheplätzen der Drachen und ließen sich dort nieder. Die Drachen waren freundliche Wesen und liebten ihre Untertanen. Daher duldeten sie nicht nur die Anwesenheit dieser Suchenden, sondern ließen sie an ihren Gedanken teilhaben und lehrten sie manche Dinge und Erkenntnisse und Fragen, über die sonst niemand je etwas erfuhr. Hieraus entstanden einst die Klöster der Drachen und ihre Mönche. Da sie auf den höchsten Gipfeln des alten Vinlands errichtet waren, überstanden sie den Untergang und liegen immer noch hoch und einsam auf den Inseln. Jeweils eines befindet sich auf Norglaw, Norgay und Gronland und es gibt recht zuverlässige Kunde über ein viertes auf Hae Brâsil. Niemand aber weiß mehr, ob auch der fünfte Drache ein Kloster besaß und wo ein solches dann gelegen war und ob es heute noch besteht. Keinerlei Kunde gibt es hierzu von Orknai und kein Voltarier hat je einmal solches von seiner Insel gesagt.

Die Klöster sind zwar einsam und hoch gelegen, jedoch bei entsprechendem Wunsche ohne besondere Schwierigkeiten zu erreichen und auch Besuchern keineswegs verschlossen, für die im Gegenteil Räumlichkeiten bereit stehen und Unterhalt gesichert ist. Doch gibt es heute nur noch sehr wenige Vinländer, die dorthin ziehen und Rat oder Unterweisung suchen. Immerhin geschieht dies bisweilen und es finden sich auch immer noch Männer, die dort Mönche werden und bisher keine Gefahr erkennen lassen, daß die Klöster unbewohnt werden. Denn tatsächlich ist dies der einzige Stand auf Vinland, zu dem auf keinen Fall Frauen zugelassen sind. Die Mönche begründen dies als ausdrücklichen Willen der Drachen.

Weshalb dieser Dienst an den Drachen nur Männern erlaubt ist, wird allerdings nur einigen wenigen Auserwählten erklärt, und diese sind durch machtvolle Eide gebunden, es niemandem weiter zu berichten. Wie es heißt, würden beim Bruch dieses Schwurs schreckliche Flüche ihre Wirkung entfalten. Auch viele andere in den Klöstern bewahrte Lehren gelten als geheim und nur für einige Eingeweihte bestimmt. So wird der Ratsuchende zwar Antwort und Auskunft erhalten, aber oft solche von seltsamer, unerwarteter Art und ohne jede weitere Erklärung. Dies dürfte auch ein Grund für die immer seltener werdende Besuche sein, obwohl noch kein Spruch jemals bekannt wurde, der zuletzt nicht doch sich als hilfreich erwiesen hat. Zwar sind nur Männer zugelassen, aber keineswegs nur Menschen, so daß auch einige Elben und andere Wesen, im Mönchsgewand gesehen werden, sogar auch schon mal ein Ork. Über Zulassung, Ausbildung und Prüfung wie auch die Hierarchie in den Klöstern ist sehr wenig sicher bekannt, es steht jedoch vernünftigerweise zu vermuten, daß grundsätzlich nicht allzuviele Unterschiede zu den bei den Priestern bekannten Gepflogenheiten bestehen.

Die Mönche selbst treiben ein wenig Landwirtschaft in der Umgebung der Klöster und verrichten auch die meisten der ansonsten dort anfallenden Arbeiten mit eigener Hand. Notwendigere weitere Lebensmittel und sonstige Dinge erhalten sie zumeist aus den nächstgelegenen Dörfern, aber manchmal muß auch ein Fachmann von weiter her bestellt werden oder sind schwerer zu beschaffende Gerätschaften oder Materialien notwendig. Die Besorgung solcher Geschäfte sind nahezu die einzigen Gelegenheiten, zu denen die Mönche unter normalen Umständen ihre Zufluchten verlassen. Bisweilen tauchen einige allerdings auch bei Drachenfesten auf, aber ohne erkennbare Regelmäßigkeit und Vorhersehbarkeit. Aber bei keiner dieser Gelegenheiten kann man mehr von ihren Geheimnissen erfahren als auch sonst.

So sind die Klöster von einer dichten Aura des Unerklärlichen, ja Unheimlichen umgeben, die zu großer Angst und vielfältigem Schrecken führen würden, wäre nicht die sichere Überzeugung vom guten und segensreichen Wesen der Drachen. So betrachten die meisten Vinländer die Klostermönche als eher schrullige Zeitgenossen, deren geheimes Wissen sie grundsätzlich nichts angeht und außer in einigen besonderen Fällen für das normale Leben auch keinen Nutzen bringt oder sonstwie erforderlich ist.

Mönche tragen die übliche vinländische Tracht, allerdings ausschließlich in der Farbe des jeweilig verehrten Drachens in nur wenigen Abstufungen. Hinzu kommen einige Halsketten aus Holzperlen verschiedener Art, die auf eine allerdings nicht näher bekannte Art die jeweils erworbene Rangstufe bezeichnen. Hiervon abgesehen sind keinerlei sonstigen Schmuckstücke, Amulette oder ähnliches zu sehen. Eine unverwechselbare Besonderheit der Mönchstracht sind jedoch die Mäntel, die bei Reisen regelmäßig getragen werden. Sie sind fast bodenlang, recht weit geschnitten und werden nie über einer Schulter, sondern stets über der Brust mit einer Fibel verschlossen, verhüllen den Körper also nahezu vollständig. Diese Trageweise ermöglicht die stets vorhandene Kapuze, die ebenfalls weit geschnitten ist und von hoher, spitzer Form. Wird sie übergezogen, so verhüllt sie nicht nur den Kopf vollständig, sondern läßt selbst bei Tageslicht das tief beschattete Gesicht nicht mehr zu erkennen ist.

Auffällig sind die zwei oder drei Fransenreihen, die etwas unterhalb der Schultern den gesamten Mantel quer umlaufen, also über den Rücken und um die Oberarme herum bis zum vorderen Verschluß. Eine weitere kann auch ein Stück oberhalb des unteren Randes angebracht sein, so daß sie nicht über den Boden schleift. Dies ist eindeutig die Tracht des Alten Volkes, die ansonsten auf Vinland nur noch bei einigen Prunk- und Festmäntel beobachtet werden kann. Offenbar waren es ursprünglich Angehörige dieses Volkes, die sich bei den Drachen versammelten, bevor auch Nordleute hinzukamen und diese Kleidung als äußeres Abzeichen übernahmen und bis heute bewahrten.