3-Unfreie

Die unfreien Vinländer werden an sich als „Thrall“ bezeichnet, was wörtlich „Sklave“ bedeutet. Dieses Wort ist aber weitestgehend außer Gebrauch geraten, seitdem die Vinländer die verschiedenen Formen der Sklaverei in den Mittellanden kennen gelernt haben. Denn die dort übliche Betrachtung und Behandlung von Sklaven ruft vielfach ihr Unverständnis und ihre Verachtung hervor. Auf Vinland besitzt ein unfreier „Sklave“ zwar ebenfalls keines der Rechte eines Freien mehr, aber er gilt eben nicht als „Ware“ oder „Sache“, sondern immer noch als Mensch, der zwar ein besonderes Schicksal zu tragen hat, aber sehr wohl noch gewisse Grundrechte auf sein Leben, seine Gesundheit und seine Würde besitzt und entsprechend zu behandeln ist.

Unfreiheit nach vinländischem Recht kann eigentlich nur aus zwei Gründen entstehen. Der eine hiervon ist eine so hohe Verschuldung gegenüber einem anderen Vinländer, daß zu deren Ausgleich kein anderes Mittel geeignet erscheint als unentgeltlicher Dienst beim Gläubiger. Der Besitz des Schuldners muß vorher bereits vollständig dem Gläubiger übereignet worden sein und die Schuldsklaverei dient der Begleichung der Restschuld. Diese muß noch so bedeutend sein, daß deren Ausgleich etwa im Rahmen eines bezahlten Dienstverhältnisses nicht oder erst in einer für den Gläubiger unzumutbar langen Zeit möglich ist. Erst in solchen Fällen wird das Thing – welches allein hierüber entscheidet – einen solchen schwerwiegenden Schritt vollziehen und den Schuldner als Unfreien in die Gewalt des Gläubigers übergeben.

Ist der Schuldner verheiratet, so fällt die Unfreiheit auch auf seinen Ehegatten sowie noch im Haushalt lebende minderjährige Kinder. Deren Arbeits- oder Dienstleistung wird jedoch gleichermaßen zur Schuldentilgung herangezogen. Sonstige Verwandte können jedoch nicht behelligt werden. Dem Schuldner vielleicht gehörende Unfreie zählen zum Besitz, gehen also ebenfalls als Teil der Schuldentilgung in das Eigentum des Gläubigers über. Vielleicht vorhandene Bedienstete werden mit dem Tag der Unfreiheit ihres bisherigen Arbeitgebers entlassen und zwar unabhängig von allen ursprünglichen Vereinbarungen, also auch zum Beispiel bei einer bereits festgelegten längeren Dauer des Dienstverhältnisses. Der Gläubiger ist also nicht verpflichtet, auch solche Bedienstete zu übernehmen, kann dies aber natürlich freiwillig aufgrund eines neu zu schließenden Dienstvertrages tun. Sind Huscarls vorhanden, erlischt deren eidliche Gefolgschaftsverpflichtung ebenfalls ohne jegliche Einschränkung, was üblicherweise wegen dieser besonderen Verbindung im die Unfreiheit begründenden Thingbeschluß ausdrücklich und sehr förmlich verkündet wird.

Die zweite Ursache für Unfreiheit ist schlicht die Kriegsgefangenschaft. Dies gilt nicht nur für ausländische Kriegsgefangene, sondern auch für vinländische Freie, wenn diese im Rahmen einer formell erklärten Fehde in Gefangenschaft geraten sind. Im Berserkerrausch oder wenn der Kampf etwa wegen Blutrache besonders haßerfüllt ist, werden Gegner zumeist erbarmungslos nieder gehauen. Wenn aber ein Vinländer in einem ehrenhaft geführten Kampf einen Gegner entwaffnen oder sonst kampfunfähig machen kann, wird er ihn im Normalfall nicht einfach töten, sondern ihm die Wahl zwischen Tod und Unfreiheit lassen.

Eine solche aus Kriegsgefangenschaft entstandene Unfreiheit eines Vinländers pflegt aber selten lebenslang zu dauern. Nach Beendigung einer Fehde wird normalerweise bei Friedensschluß oder Urfehde die gegenseitige Entlassung der Gefangenen vereinbart, es sei denn, die Unterwerfung in Unfreiheit wird dem Betreffenden von seinen eigenen Leuten als feige Handlung angesehen, so daß sie keinen Wert auf seine Rückkehr legen. Auch zum Beispiel aus persönlichen Zweikämpfen außerhalb einer formalen Fehde entstandene Unfreiheiten dauern oft ein Leben lang. Diese Unfreiheit betrifft nur den Gefangenen persönlich, so daß ein Ehegatte oder Kinder in Freiheit bleiben, und zwar auch dann, wenn sie dem Unfreien an dessen neuen Aufenthaltsort folgen und dort selbst wohnen. Obwohl Freie und Unfreie nicht heiraten dürfen, bleibt eine bereits bestehende Ehe weiterhin gültig. Allerdings könnte der freie Ehepartner sich sofort und einseitig scheiden lassen.

Tatsächlich sind die meisten kriegsgefangenen Unfreien ausländischer Herkunft. Jedoch auch sie haben allgemein Anspruch auf angemessen würdige Behandlung. Körperliche Züchtigungen sind nur in besonders schwerwiegenden Fällen von Ungehorsam oder Aufsässigkeit üblich, bei denen sie zum Beispiel auch bei den eigenen Kindern angewandt werden würden. Regelrechtes Quälen oder gar willkürlichen Erschlagen eines Unfreien ohne triftigen Grund würde nicht nur als unnötige und würdelose Grausamkeit, sondern sogar als ausgesprochene Dummheit angesehen, da hierdurch die Arbeitsleistung des Unfreien ja spürbar eingeschränkt wird oder eben ganz entfällt. Ein triftiger Grund für solche Maßnahmen wären zum Beispiel Erhebungen, Fluchtversuche oder Angriffe , insebsondere natürlich lebensgefährliche auf den Herrn oder dessen Familie.

Die grundsätzliche Ansicht, daß ein Unfreier zwar keine Rechte besitzt, aber immer noch ein Mensch mit entsprechender Würde und keine Sache oder Ware ist, verbietet zwangsläufig auch jede Form von Sklavenhandel, der daher auf den Inseln nicht nur verpönt ist, sondern strenger Verfolgung und Bestrafung unterliegt. Vinländische Unfreiheit setzt ja schon bei ihrem Entstehen eine gewisse Art vorheriger persönliche Beziehung zwischen Unfreien und Herrn voraus, nämlich direkte Verschuldung oder direkter Zweikampf, und dieses unmittelbare Verhältnis bleibt als solches bis zum Ende der Unfreiheit auch bestehen. Ein Unfreier wechselt seinen Herrn daher nur nach dessen Tod durch Erbfolge oder durch einen Spruch des Things, also etwa falls sein Herr durch Überschuldung selbst zum Unfreien wird oder man ihn für friedlos erklärt.

Allgemein kann ein Unfreier durch Gehorsam, Fleiß und Geschick seine Lebensumstände erheblich verbessern. Bei entsprechender Bewährung kann er zu einem regelrechten Familienmitglied werden und eine entsprechende Vertrauensstellung erreichen. So kann ihn sein Herr sogar für bestimmte Bereiche oder zeitweise mit Rechten von Freien ausstatten, also ihn zum Beispiel in seinem Auftrag Geschäfte abwickeln oder einen Vertrag abschließen lassen.

Durchaus üblich ist es auch, einem Unfreien für bestimmte Anlässe das Recht zu erteilen, im Thing zu erscheinen und dort das Wort zu ergreifen, etwa um ihn als Zeugen zu vernehmen. Er hat grundsätzlich sogar die Möglichkeit, dort Klage gegen seinen Herrn zu erheben, wenn ihn dieser offenkundig ungerecht oder übermäßig hart behandelt. Nach vinländischer Auffassung hat er in dieser Zeit vorübergehend die Position eines Freien inne, das heißt, seine Zeugenaussage ist entsprechend zu werten und es gilt auch kein größerer Verdacht der Befangenheit als etwa bei einem guten Freund oder Verwandten des Beklagten. Der Unfreie kann allerdings keinen Schwur leisten und dementsprechend auch nicht als Eideshelfer auftreten, welche Besonderheit der vinländischen Rechtsfindung an anderer Stelle noch genauer beschrieben werden soll.

Normalerweise kann ein Unfreier äußerlich nicht als solcher erkannt werden. Er darf zwar keinerlei Waffen tragen, aber das tun viele Freie gerade der unteren Schichten im Alltag ebenfalls nicht. Viele der nicht so wohlhabenden Vinländer können sich kein gutes Schwert leisten oder finden das Tragen bei ihrer täglichen Arbeit zu unbequem. Selbst das an sich unverzichtbare Messer am Gürtel wird regelmäßig nur von denen geführt, die es wie zum Beispiel Bauern auch im Alltag immer wieder benötigen. Es gibt auch keine sonstigen Bekleidungsvorschriften oder Kennzeichnungen von Unfreien und sie tragen die normale Tracht. Der zu einem einfachen Bauern oder Handwerker gehörende Unfreie trägt also die eher einfache und zweckmäßige Kleidung seiner Umgebung und wohlhabende Vinländer statten ihre Unfreien gerne mit entsprechend schöner, oft reich verzierter Tracht von guter Qualität aus.

Es ist auch üblich, einem Unfreien bei guter Arbeit gelegentlich kleine Geldbeträge zukommen zu lassen, die er ansparen oder mit denen er eigenständig Geschäfte tätigen, also sogar persönlichen Besitz erwerben kann. Rein rechtlich gesehen bleiben das Geld und die hierdurch erworbenen Besitztümer ausschließliches Eigentum des Herrn, jedoch wird es praktisch ausnahmslos tatsächlich dem Unfreien überlassen und pflegt bei Wiedergewinnung der Freiheit in vollem Umfang auch in das rechtliche Eigentum des bisherigen Unfreien oder seiner Erben überzugehen.

Tatsächlich kann ein Unfreier jederzeit von seinem Herrn formal entlassen werden, wobei bei einem Schuldverhältnis die Restschuld als unwiderruflich erlassen gilt. Ein Vinländer besitzt dann wieder sämtliche Rechte und Pflichten des Freien und ein Ausländer unterliegt dann den für diese Personengruppe geltenden normalen Bestimmungen.

Unfreie dürfen untereinander nicht heiraten. Eheähnliche Verhältnisse zwischen Unfreien werden jedoch geduldet bis hin zur gemeinsamen Lebensführung und Wohnung. Kinder aus einer solchen Verbindung gelten als nichtehelich und sind ebenfalls unfrei. Sie müssen ebenfalls später zur Tilgung der die Unfreiheit begründenden Schulden beitragen und zwar bis zu deren endgültigen Begleichung, auch wenn der ursprüngliche Schuldner bereits verstorben ist. Bei einer auf Kriegsgefangenschaft beruhenden und damit grundsätzlich lebenslangen Unfreiheit gilt diese unbegrenzte Dauer auch für die Kinder. Im Falle einer Freilassung umfaßt diese dann aber regelmäßig nicht nur einen, sondern beide Partner einer solchen Verbindung und auch den hieraus stammenden Nachwuchs. Dann kann eine vollgültige Ehe eingegangen und diese gilt hinsichtlich der Kinder als rückwirkend, vermittelt diesen also dann eine eheliche Abstammung.

Eine unfreie Frau kann jedoch mit einem Freien ein Nebenehe nach vinländischem Recht eingehen, also sogenannte Bettsklavin oder auch Kebsfrau werden. Dies ist eine vollgültige rechtmäßige Verheiratung, die lediglich geringere Rechte als eine Voll- oder Hauptehe vermittelt und auch die Stellung als Unfreie nicht berührt. Die aus solch einer Verbindung hervorgehenden Kinder gelten als ehelich, sind in eigener Person vollfrei und unterliegen lediglich einigen rechtlichen Einschränkungen, vor allem hinsichtlich ihrer Besitz- und Erbansprüche.

Ein nichteheliches Verhältnis mit einer freien Person ist hingegen zwar keineswegs verboten, darf aber nicht zu einer äußerlich erkennbaren Verbindung führen, also etwa hinsichtlich der gemeinsamen Wohnung, was natürlich namentlich etwa auf kleineren Höfen mit grundsätzlich schon dichtgedrängten und recht unterschiedslosen Wohn- und Schlafverhältnissen recht wenig Unterschied macht und daher hauptsächlich der Wahrung des Anstandes in reicheren oder adeligen Häusern dient. Dort sind zudem ja auch normalerweise zumindest bei einem freien männlichen Partner die Mittel und Möglichkeiten gegeben, eine solche gewünschte Verbindung in Form einer Nebenehe zu verwirklichen. Dieser Brauch soll daher durchaus auch dem Schutz der menschlichen und vor allem sexuellen Würde der Unfreien vor erpresserischer Ausbeutung dienen.

Nach Freilassung des unfreien Partners ist selbstverständlich eine Heirat möglich, allerdings nicht rückwirkend wie bei ehemals unfreien Partnern. Das bedeutet, daß aus dieser Verbindung hervorgegangene Kinder weiterhin als nichtehelich gelten, denn das vinländische Recht kennt keine Legitimation durch spätere Eheschließung. Auch dies soll in die Richtung wirken, solche Verhältnisse durch Eingehen einer Nebenehe für die Unfreien sicherer zu gestalten. Hiervon unabhängig besteht allerdings die Möglichkeit, nach einer nachträglich eingegangenen Ehe durch eine formale Adoption der Kinder seitens des ursprünglich freien Partners deren rechtliche Lage entscheidend zu verbessern.

Eine aus Schulden entstandene Unfreiheit endet auf jeden Fall nach der endgültigen Tilgung durch den Schuldner oder dessen Nachfahren, wobei dieser Zeitpunkt oder genauer die Anzahl der zu leistenden Arbeitstage bereits beim entsprechenden Thingbeschluß verbindlich festgelegt wird. Hierbei werden tatsächlich erbrachte Leistungen genau berechnet, daß heißt, nicht erfolgte Arbeit wegen Krankheit oder Tod wird ebenso angemessen berücksichtigt wie zusätzliche Leistungen etwa durch arbeitsfähig werdende Kinder. Somit ist der Zeitpunkt der Freilassung kalendermäßig nicht genau festgelegt und kann sich unter Umständen sehr stark verschieben. Hierbei bleibt übrigens die Höhe der Schuld unverändert und unbeeinflußt davon, wie lange die Tilgung tatsächlich dauert, es erfolgt also keinerlei Verzinsung oder ähnliches.. Dies rührt daher, daß diese Regelungen aus sehr alten Zeiten stammen, als die Vinländer noch kein Münzgeld kannten und Schulden daher nur in Form von Waren oder Dienstleistungen gemacht oder getilgt werden konnten.

Hiervon abgesehen kann jede Art von Unfreiheit durch den Herrn jederzeit beendet werden. Recht häufig geschieht dies beim Tod des Herrn durch dessen Testament. Üblich ist dies nach einzelnen besonders wertvollen Diensten oder Leistungen des Unfreien und wird auch zum Ansporn häufig vorher versprochen. Ein solches Versprechen ist zwar infolge der Rechtlosigkeit des Unfreien nicht gesetzlich bindend und kann daher nicht eingeklagt werden, sollte aber nach allgemeiner Auffassung als Ehrenwort eines Freien unbedingt eingehalten werden.

Falls ein solches Versprechen jedoch nicht eingehalten wird, kann der Unfreie beantragen, daß diese oder eine andere offenkundige Ungerechtigkeit vor dem Thing zur Verhandlung kommt, wobei er selbst wie bereits erwähnt freies Rederecht erhält. Das Thing kann aber keinerlei Strafen oder sonstige Maßnahmen gegen den Herrn beschließen und erst recht keine Freilassung vornehmen, aber sehr wohl in förmlicher und nachdrücklicher Weise zu einer angemessenen und gerechten Behandlung des Unfreien auffordern. Natürlich kann der Herr nicht zur Befolgung dieses Aufrufes gezwungen werden, eine solche Mißachtung allgemeinen Brauchtums und einer öffentlichen Mahnung würde jedoch seinem Ansehen nachhaltigen Schaden zufügen. Diese Behandlung eines solchen Problems beruht auf dem uneingeschränkten Grundrecht des Freien, Besitz zu erwerben und zu nutzen. Der Herr eines sowohl kriegsgefangenen wie auch schuldnerischen Unfreien hat vollgültigen und rechtswirksamen Besitz zwar nicht der eigentlichen Person selbst erworben, was ja Menschenrecht und Würde verletzen und den Unfreien zur Ware, also zu einem wirklichen und auch verkaufbaren Sklaven machen würde. Er hat aber sehr wohl den uneingeschränkten Besitz der Arbeitskraft oder allgemeiner der Dienstbarkeit des Unfreien erworben und kann diesen Besitz wie jeden anderen auch völlig frei nach eigener Entscheidung nutzen, also grundsätzlich auch in unvernünftiger, ja zerstörerischer Weise. Dieser bei unehrenhafter Behandlung eines Unfreien entstehende Konflikt zwischen zwei sehr hohen und unverletzlichen Rechtsgütern beschränkt daher die rechtlichen Möglichkeiten auf die möglichst genaue Feststellung des äußeren Tatbestandes und erlaubt keinen direkten Eingriff in diese Rechte, sondern eben nur eine Mahnung an ehrenhaftes Verhalten, also einen gewissen moralischen Druck.

Formal wirksam wird eine Freilassung jedoch erst durch Beschluß des auf die Verkündigung gegenüber dem Unfreien folgenden Things. Der Unfreie kann zwar auch im Fall einer dann noch längeren Wartezeit kein außerordentliches Thing allein aus diesem Grund verlangen, jedoch die Behandlung beim nächsten regelmäßigen Thing notfalls erzwingen, falls zum Beispiel Erben die Freilassung hinauszuzögern versuchen. Die Freilassung kann auch nicht durch die Erben angefochten oder aus anderem Grund durch das Thing unterbunden werden. Vielmehr wird sie lediglich öffentlich zur Kenntnis genommen und verkündet. Dies ist einfach deshalb sinnvoll und auch notwendig, weil ein Unfreier ja weder durch seine Tracht oder sonstige Kennzeichen eindeutig erkannt werden kann und die Wiedererlangung seiner Stellung als Freier schon deshalb der allgemeinen Bekanntmachung bedarf.

Nur falls der Unfreie eine Freilassung behauptet und der Herr dieses bestreitet, wird das Thing mit eigenem Urteilsspruch hierüber entscheiden. Auch in diesem Fall wird der Unfreie während der Verhandlung bedingt in den Stand eines Freien versetzt, kann also frei seine Sache vortragen, Beweise hierfür erbringen und auch Zeugen benennen. Fall die Umstände für ihn sprechen, er also zum Beispiel nachweislich die üblicherweise zur Freilassung führenden besonderen Leistungen erbracht hat, bestehen für ihn tatsächlich recht gute Aussichten, auch gegen den Willen seines Herrn ausnahmsweise durch Thingbeschluß wieder frei zu werden.

Diese im Vergleich zur festländischen Sklaverei auffallend menschliche Behandlung von Unfreien entspricht grundsätzlich den hohen Begriffen der Vinländer über Ehre und Würde. Die gleiche Einstellung zeigt sich übrigens auch im Strafrecht, das zwar auch Verbannung und Todesurteile umfaßt, aber zumeist auf Wiedergutmachung und hierdurch auch möglichst völlige Wiedereingliederung des Täters abstellt und daher zum Beispiel Gefängnisstrafen oder Folterungen überhaupt nicht kennt.