2-Freie

Grundsätzlich ist jeder Vinländer unbeachtlich seiner Geburt, seines Besitzes, seiner Stellung und seines Geschlechtes ein Freier, sofern ihm nicht durch Thingbeschluß seine Freiheit oder die damit verbundenen Rechte ganz oder teilweise aberkannt werden. Die wichtigsten und auf ganz Vinland gleichermaßen üblichen Rechte sind nachfolgend aufgeführt. Weniger bedeutsame Rechte sowie solche, die nur in bestimmten Gebieten aufgrund dortiger besonderer Bräuche und Gepflogenheiten bestehen, werden hier nicht genannt.

Ein Vinländer erwirbt diese Rechte grundsätzlich bei Geburt, kann sie aber erst bei Eintritt der Volljährigkeit ausüben. Bis dahin werden sie durch den leiblichen Vater, gegebenenfalls durch den Pflege- oder Ziehvater oder durch einen von der Familie des Kindes oder im Streitfall vom Thing bestimmten Vormund stellvertretend wahrgenommen. Dieser bestimmt auch den genauen Zeitpunkt des Eintrittes der Volljährigkeit. Dieser hat jedoch bei Jungen zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr, bei Mädchen zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr stattzufinden, wovon nur durch Thingbeschluß abgewichen werden darf. Voraussetzung für den Erwerb dieser Rechte ist die eheliche Abstammung von vinländischen Freien (da diese Rechte bei Heirat auch von einem ausländischen Ehepartner erworben werden, ist dies der Normalfall) oder bei nichtehelicher Abstammung die von einer vinländischen freien Mutter. Die Geburt auf Vinland ist hierfür ohne Bedeutung. Weitere Erwerbsmöglichkeiten sind die formale Adoption durch einen freien Vinländer sowie die Heirat. , wenn sie wie unten dargelegt nach vinländischem Recht wirksam ist.

Der Freie darf unter anderem
an jedem Ort auf Vinland Wohnsitz nehmen und Grundbesitz erwerben,
jede grundsätzlich erlaubte Tätigkeit aufnehmen und beweglichen Besitz erwerben,
mit einer heiratsfähigen freien Person des anderen Geschlechtes die Ehe eingehen und bei Vorliegen der Voraussetzungen auch wieder auflösen. Mit ausländischen Partnern und auch im Ausland geschlossene Ehen gelten auf jeden Fall, wenn sie nach vinländischem Recht durch einen hierzu berechtigten Vinländer – regelmäßig der gefolgschaftsführende Adlige - geschlossen werden und der ausländische Partner auch nach vinländischem Recht als frei und heiratsfähig anzusehen ist,
Waffen besitzen und jederzeit tragen,
sich einer Gefolgschaft anschließen und diese jederzeit wieder verlassen, wobei man stets nur einer angehören kann,
alle Arten grundsätzlich erlaubter Verträge abschließen und Handel treiben,
allein oder in Gesellschaft auf freie Raubfahrt gehen
am Thing teilnehmen, dort Klage erheben oder Anträge stellen, zu seinen und zu anderen dort behandelten Angelegenheiten das Wort erheben und abstimmen,
sein Recht und seine Ehre gebührend und notfalls auch mit der Waffe verteidigen
Götteropfer, Orakelbefragungen und sonstige religiöse Rituale vornehmen oder vornehmen lassen, sofern sie grundsätzlich gestattet sind und nur seine eigene Person sowie mit deren einmütiger Billigung seine Familie oder seine Gefolgschaft betreffen,
grundsätzlich erlaubte magische Handlungen durchführen oder durchführen lassen, bei nicht erfolgter oder nicht möglicher Zustimmung aller hiervon tatsächlich oder möglicherweise Betroffenen aber nur durch einen allgemein bekannten und öffentlich wirkenden Magier oder sonstigen Zauberkundigen,
jedermann Fehde verkünden und diesen nach ordnungsgemäßer, das heißt deutlicher und öffentlicher Verkündigung kriegsmäßig bekämpfen, allerdings nicht innerhalb der Gefolgschaft,
Wergeld verweigern, offen Blutfehde ansagen und Blutrache nehmen, aber nicht innerhalb der Gefolgschaft,
Urfehde schwören, aber nur, wenn innerhalb der Gefolgschaft keinerlei Fehde in dieser Sache mehr besteht,
nach seinem Tod auf vinländischem Boden ein Grab erhalten und einen Gedenkstein errichten lassen, auf Wunsch oder bei unmöglicher Bestattung auch diesen allein.

Infolge der ausdrücklichen Gleichberechtigung stehen auch den Frauen alle diese Rechte zu, werden aber gewöhnlich nicht alle genutzt. Die besondere Stellung der Frau auf Vinland wird noch gesondert beschrieben, daher seien hier nur zwei grundsätzliche Ausnahmen genannt. Die Frau darf grundsätzlich alle Waffe tragen außer dem Schwert, das allein dem Mann vorbehalten ist. Im direkten Kampf darf sie jedoch ein Schwert ergreifen und benutzen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Erlaubt ist das Schwerttragen jedoch den allerdings nicht zahlreichen unverheirateten Frauen, die als Beruf allein das Kriegshandwerk ausüben. Weiterhin besitzen die Frauen auch alle mit dem Thing zusammenhängenden Rechte, dürfen allerdings nur teilnehmen und auch nicht abstimmen. Anträge, Klagen oder sonstige Beiträge werden ausdrücklich in ihrem Namen von ihrem Ehemann oder, falls sie nicht verheiratet ist, von einer von ihr bestimmten männlichen Vertrauensperson vorgetragen, üblicherweise einem Verwandten oder Verschwägerten.

Karl
Seltener auch „Carl“ geschrieben, bedeutet dieses Wort einfach „Krieger“. Es handelt sich um die Bezeichnung aller waffenfähigen, also erwachsenen männlichen Freien, die Waffen tragen und grundsätzlich auch damit kämpfen dürfen. Hierzu zählen also auch Gemeinfreie und andere, die im Alltag üblicherweise kein Schwert mit sich führen, ebenso auch zum Beispiel Alte oder Gebrechliche, die zum wirklichen Kampf kaum in der Lage sind. Es gibt keine weibliche Form dieses Begriffes, so daß er für die erst in jüngerer Zeit auftretenden berufsmäßigen Kriegerinnen nicht benutzt wird. Gewohnheitsmäßig wird diese Bezeichnung nicht mehr für Adelige benutzt. Da die vinländische Gesellschaft nicht mehr nur aus Bauernkriegern besteht und zudem durch die isolierte Insellage schon viele Generationen kein großer feindlicher Angriff mehr ein gesamtes Volksaufgebot, also die Mobilisierung aller Waffenfähigen erforderte, ist dieser Begriff ziemlich außer Gebrauch gekommen.

Freie
Ursprünglich bezeichnete dieser Begriff ausnahmslos alle Personen beiderlei Geschlechtes, die nicht unfrei oder halbfrei sind, also auch die Adligen. In diesem Sinne wird er aber eigentlich nicht noch in rechtlichem Zusammenhang gebraucht, da hier noch grundsätzlich etwa bei den Rechten und Pflichten ein eventueller Adelsrang oder die Art des Lebensunterhaltes keine Unterschiede bewirken, es also auf Vinland noch kein gesondertes Adels- oder Standesrecht gibt. Im sonstigen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff zumeist nichtadelige Freie beiderlei Geschlechtes, die ihren Lebensunterhalt aus selbständiger Tätigkeit bestreiten, also die unabhängigen Bauern, aber auch Händler, Handwerker und ähnliche Personen.

Gemeinfreie
Hiermit sind alle Freien beiderlei Geschlechtes gemeint, die ihren Lebensunterhalt nicht durch eine selbständige Tätigkeit bestreiten, sondern durch Lohnarbeit für einen anderen Freien. Es handelt sich also zum Beispiel um die Knechte und Mägde eines Bauern, die Lehrlinge und Gesellen eines Handwerkers, die Bediensteten eines Handelsherrn oder im Haushalt eines Adligen, die Matrosen auf einem Handelsschiff und andere dieser Art.
Der sich in dieser Sonderbezeichnung widerspiegelnde gesellschaftliche Rangunterschied beruht auf der Idealvorstellung, daß tatsächlich jeder freie Vinländer auch unabhängiger und selbständiger Bauer, Fischer etc. zu sein hat und nicht selbständige Tätigkeiten nur von Halb- oder Unfreien wahrgenommen werden. Dies mag für die Altvorderenzeit zutreffen, ist aber schon allein durch nicht mehr ausreichend verfügbares noch unerschlossenes Acker- und Wohnland zur Gründung einer eigenständigen Lebensführung tatsächlich nicht mehr möglich. Diese Bezeichnung wird heutigentags auch auf jene Freien angewendet, die zwar selbständig ihren Lebensunterhalt bestreiten, denen aber das hierzu notwendige Land, Schiff oder sonstige Gerätschaft nicht völlig uneingeschränkt gehört, wenn es also gepachtet, geliehen, für Darlehen verpfändet oder aus anderen Gründen die Verfügungsgewalt hierüber eingeschränkt ist. Gerade hierdurch schwingt in dieser auch äußerlichen Unterscheidung von tatsächlich unabhängig Freien durchaus schon eine gewisse Herablassung mit, welches als ein weiteres Merkmal für den Übergang von tatsächlich gleichberechtigter freier Gesellschaft in eine solche mit streng voneinander geschiedenen sowie mit unterschiedlichem Ansehen und Recht versehenen Schichten oder Klassen angesehen werden kann.

Hersir
Dies ist die Sammelbezeichnung für alle Adligen und bedeutet wörtlich „Heeresherr“ oder besser „Kriegsherr“, entspricht also eigentlich dem mittelländische „Herzog“. Dieser meint jedoch heute einen ganz bestimmten und recht hohen Adelsrang, während er auf Vinland weiterhin einen Sammelbegriff bildet, der keine genauere Angabe zur tatsächlichen Position innerhalb des Adels enthält. Von diesem und auch den folgenden Adelsbezeichnungen gibt es traditionell keine eigentlichen weiblichen Formen. Weibliche Adelige werden generell als „Edle Frau“ oder genauer als „Hetmannsfrau“, „Jarlstochter“ bezeichnet und auch angeredet, also eher indirekt über den Titel des Mannes oder Vaters. Dies hängt wiederum damit zusammen, daß die Adelsränge ursprünglich eine auf einen bestimmten Anlaß und Zeitraum beschränkte Kriegsführerschaft bezeichneten, also eine befristete Funktion, die eben typischerweise von Männern und nur äußerst selten von einer Frau wahrgenommen wurde. Die Adelige führt diese Bezeichnung auch nach dem Tod ihres Mannes oder Vaters weiter, und zwar auch dann, wenn sie dessen Amt übernimmt, was ja grundsätzlich möglich ist, auch wenn es tatsächlich recht selten vorkommt. Die Witwe eines Jarls mag also nach dessen Tod in jeglicher Beziehung und unbestritten das Amt des Jarls übernommen haben und wird dennoch weiterhin als „Jarlfrau“ (oder eben „Jarltochter“ u.s.w.) bezeichnet. Üblicherweise wird der Titel aber dann zumindest bei offiziellen Anlässen klärend ergänzt, also etwa „Jarltochter und Herrin von...“.

Hetmann
Der Hetmann, also „Hauptmann“ (die Mehrzahl lautet korrekt „Hetmanen“, doch wird umgangs-sprachlich auch von „Hetmännern“ geredet) bildet die breite Basis des vinländischen Adels. Er entsteht grundsätzlich durch die dauernde Führerschaft über eine Gefolgschaft auf der Basis einer Kriegsschiffbesatzung, also eines „Drachen“ und damit zumindest etwa 300 Personen mit etwa 50 – 60 Kriegern. Etliche Hetmänner im Landesinneren besitzen inzwischen allerdings tatsächlich keine Drachenschiffe mehr, andere an der Küste hingegen sogar mehrere. Somit gilt heute als Hetmann ein Adliger, dessen Gefolgschaft ein Dorf als Zentralort eines größeren Gebietes sowie in der Regel eine Anzahl umliegender Einzelgehöfte oder kleiner Weiler bewohnt. Auf Vinland wird allerdings ab etwa 400 Einwohnern bereits von einer Stadt gesprochen und der eine solche beherrschende Adlige dem höheren Adelsrang eines Jarls zugeordnet, sofern zum Herrschaftsbereich noch entsprechendes Umland mit dessen Bewohnern hinzukommt, was aber der Normalfall ist. Ein Hetmann herrscht heute also üblicherweise über ein Gebiet, das etwa 300 bis 600 Menschen bewohnen, die überwiegend als Bauern in Einzelgehöften mit einem größeren Dorf als Zentralort leben. In landwirtschaftlich nicht nutzbaren Küstengebieten besteht die Gefolgschaft eines Hermanns auch schon einmal allein aus den Einwohnern eines Fischerdorfes. Diese muß aber schon eine vollständige Gefolgschaft bilden können, so daß Küstensiedlungen mit deutlich weniger als 300 Einwohnern üblicherweise zum Gebiet eines unter Umständen weiter entfernt ansässigen Hetmanns gehören. Der Hetmann entspricht somit vom Adelsrang her und ohne Rücksicht auf die unterschiedlichen Eigentums- und Besitzverhältnisse äußerlich in etwa einem gut gestellten festländischen Ritter, der ein eigenes Lehen besitzt, also einen Herrensitz mit einem ihm unterstehenden bewohnten und erschlossenem Gebiet. Ein großer Teil der Hetmänner steht heute selbst in Gefolgschaft eines höheren Adligen, einige besonders starke und wohlhabende sind jedoch auch weiterhin unabhängige Adelsherrscher mit zum Teil auch innerhalb des Adels großem Ansehen, das aufgrund der Persönlichkeit und von Erfahrung, Reichtum und auch aus Tradition deutlich über das hinausgeht, was der Rang als solcher eigentlich erwarten läßt. Hierbei ist natürlich von besonderer Bedeutung, daß die Gefolgschaft auch eines Hetmanns wie die eines normalen Freien grundsätzlich freiwillig erfolgt und jederzeit aufgekündigt werden kann, also dieser niedrigste Adelsrang durchaus bedachtsam und rücksichtsvoll behandelt werden sollte.

Jarl
Diese Bezeichnung bedeutet wörtlich soviel wie „Beauftragter, Vertrauensmann“, wird allerdings heute überhaupt nicht mehr in diesem Sinne benutzt, sondern ausschließlich als Adelstitel. Er führt nicht notwendigerweise, aber häufig neben seiner eigene Gefolgschaft auch etwa 2 – 4 Hetmänner samt deren Gefolgschaften an. Dies erklärt auch die Bedeutung des Adelstitel, da es sich ursprünglich um den bei einer größeren kriegerischen Unternehmung von den beteiligten Hetmännern aus ihren eigenen Reihen gewählten Anführer handelte, also eigentlich um einen Hetmann, der nur vorübergehend und für einen bestimmten Anlaß als „Primus inter Pares“ die Befehlsgewalt erhielt. Erst nach und nach wurde wie bei den Hetmännern selbst hieraus ein ständiges Amt und somit ein Adelsrang. Heute beherrscht ein Jarl üblicherweise ein Gebiet mit etwa 1.000 bis 1.500 Einwohnern, die neben Einzelsiedlungen mehrere kleinere Dörfer oder aber auch einen größeren Ort bewohnen, in einigen seltenen Fällen auch schon eine regelrechte Stadt. Es spielt auch praktisch keine Rolle mehr, ob ihm tatsächlich Hetmänner mit eigenen Gefolgschaften unterstehen oder ob die gesamte Einwohnerschaft allein seine direkte Gefolgschaft bildet. Somit entspricht der Jarl von seiner äußeren Stellung her in etwa einem mittelländischen Grafen, dessen Titel übrigens zufälligerweise auch die gleiche Bedeutung besitzt, oder auch einem Baron. Allerdings wird der festländische Graf ja als „Beauftragter“ nicht von seinen „Untergebenen“ aus deren Reihen gewählt, sondern von seinem Lehnsherrn – üblicherweise einem König – ernannt, um ein bestimmtes Gebiet stellvertretend in einer Art persönlicher direkten Beauftragung zu verwalten.

Havajarl
Der „Hohe Jarl“ unterscheidet sich vom Jarl durch einen etwas größeren Einfluß- und Machtbereich. Ihm unterstehen also vielleicht einige Hetmänner, aber bis heute noch in keinem Fall auch andere Jarle, da dies bei den vorhandenen Bevölkerungen auf den Inseln praktisch der Macht eines Jarlfürsten gleich käme. Daher kommt ein Havajarl auf Vinland ausgesprochen selten vor, und wenn überhaupt, dann lediglich auf Gronland, also der Insel mit der deutlich höchsten Bevölkerungszahl und –dichte. Ein Havajarl beherrscht zumeist ein Gebiet mit etwa 1.000 bis 2.000 Einwohnern. Typischerweise ergibt sich die Höherstellung gegenüber dem Jarl daher weniger aus deutlich größeren Gefolgschaftszahlen oder flächenmäßig größerem Besitz als aus ungewöhnlich hoher Bevölkerungsdichte und besonderem Wohlstand, weshalb in diesem Fall der Havajarl regelmäßig entweder ein besonders fruchtbares und entsprechend dichter besiedeltes ländliches Gebiet oder eine schon etwas größere Stadt beherrscht. Das heißt, er leitet seinen höheren Rang daraus ab, daß er grundsätzlich zwar ein gegenüber dem Jarl nicht unbedingt größeren Herrschaftsbereich besitzt, dieser ihm aber durch Lage, Ertragsreichtum oder ähnliches ein größeres wirtschaftliches, militärisches und letztendlich politisches Potential verschafft. Er kann von seiner Stellung her in etwa mit einem festländischen Markgrafen oder Herzog verglichen werden.

Jarlfürst
Die vinländische Bezeichnung lautet „Fyrstarjarl“. „Fyrstar“ ist hierbei die höchste Steigerung von „fur“, das heißt „vorne, voraus“. Der Ausdruck bedeutet also soviel wie „vorderster“, „erster Jarl“. Dieser Titel stellt eigentlich keinen weiteren Adelsrang dar. Es handelt sich um das Oberhaupt einer Insel, welches von allen dort ansässigen Adligen aus den eigenen Reihen gewählt wird. Naturgemäß handelt es sich normalerweise um einen Jarl oder Havajarl, obwohl grundsätzlich ebenso gut ein einfacher Hetmann ausgesucht werden könnte. Der Jarlfürst gewinnt also keine zusätzlichen Gefolgschaften oder sonstige ständigen Machtpositionen, sondern lediglich den Oberbefehl über das Kriegsaufgebot der gesamten Insel oder eben den Vorsitz oder andere Führerschaft bei sonstigen die ganze Insel betreffenden Angelegenheiten. Sein Amt ist also wie auch grundsätzlich bei den übrigen Adelsrängen eigentlich nur für bestimmte Anlässe gedacht und zeitlich begrenzt. Wie auch sonst bei den Adelsherrschaften hat es sich aber zu einer dauernden Einrichtung entwickelt und beinhaltet mehr und mehr die Elemente einer Gefolgschaftsführung auch gegenüber den übrigen Adligen. Allerdings hat es sich zumal in jüngerer Vergangenheit auf Norgay und Norglaw gezeigt, daß durchaus Jarlfürsten ihr Amt verlieren oder aber nach ihrem Tod keine Nachfolger finden können und daß auf einer Insel wieder verschiedene Adlige unabhängig voneinander ihre jeweiligen eigenen Herrschaften ausüben. Lediglich auf Gronland können die Verhältnisse als bereits so in dieser Hinsicht gefestigt gelten, daß hier wohl stets ein Jarlfürst regieren wird, zumal durch die gerade dort schon weit entwickelten feudalen Strukturen diesem Amt schon sehr viel weitere und zum Teil schon einer wirklichen Oberherrschaft ähnelnde Macht innewohnt. Es kann aber nach wie vor noch nicht vererbt werden, sondern bedarf einer regulären Wahl nach dem Tod oder der Abwahl oder auch Abdankung des bisherigen Jarlfürsten, was beides möglich ist. Die Stellung des Jarlfürsten gründet sich also zunächst genau wie die Führung einer Gefolgschaft auf Freiwilligkeit und jederzeitiger Aufkündbarkeit. Die Besonderheit liegt darin, daß der Besitz wie auch der Verlust dieses Amtes nicht durch tatsächliches Handeln der Betroffenen erfolgt, sondern durch einen formellen Mehrheitsbeschluß, und daß diese Abstimmung nicht von allen Betroffenen, sondern lediglich von den Adligen vorgenommen wird. Ebenso wird ein Jarlfürst nur für die gesamte Insel und nicht etwa nur für einen Teilbereich bestimmt, was bei fehlender Einstimmigkeit bedeutet, daß auch diejenigen Adligen die Person und deren Herrschaft annehmen müssen, die gegen den betreffenden Bewerber gestimmt haben.
Hier wird also erstmalig schon vom Grundsatz her das an sich eherne Prinzip der Freiwilligkeit auch der Unterstellung unter Adelsherrschaften durchbrochen. Dies war zunächst nur möglich, weil die eigentlichen Machstellungen der Adligen selbst ja nicht berührt oder gar geschmälert wurden, zeigt aber zugleich recht deutlich, daß diese sich bereits soweit verselbständigt haben, daß die Masse der Freien hierbei schon praktisch nicht mehr beteiligt ist.